Betriebsschließungen: Corona wird zum Stresstest für die Versicherungsbranche

Florian Burghardt Corona Berater Versicherungen Top News

Millionen Geschäfte haben aktuell geschlossen und verlieren dadurch viel Geld. Können Versicherer solche Schäden ablehnen? Was Makler über die aktuelle Situation wissen sollten, erläutert procontra in diesem und darauf folgenden Artikeln.

Viele Betriebe in Deutschland mussten aufgrund der Corona-Krise schließen.

Viele Betriebe in Deutschland mussten aufgrund der Corona-Krise schließen. Foto:picture alliance/Christoph Schmidt/dpa

Dr. Knut Pilz gilt seit seinem Kreuzzug im PKV-Treuhänderstreit nicht gerade als Freund der Versicherungsunternehmen. Doch die aktuellen Argumente des Fachanwalts für Versicherungsrecht können nicht einfach abgetan werden. Seiner Berliner Kanzlei würden Schreiben der Ergo Versicherung AG vorliegen, die ihren Kunden die Deckungszusage für Corona-Schäden verweigert. Konkret geht es dabei um bestehende Betriebsschließungsversicherungen (BSV).

Pilz erklärt: „Unterhält der Betreiber eine sogenannte Betriebsschließungsversicherung, gehen wir davon aus, dass der Versicherer in der Regel für die eintretenden Schäden leisten muss. Versichert sind üblicherweise Schäden, die dem Betreiber aufgrund einer behördlichen Schließung entstehen, welche auf einer der im Infektionsschutzgesetz genannten Krankheiten beruht.“ Doch laut Pilz würden das, neben den Düsseldorfern, noch weitere Versicherer nicht so sehen und die Leistung ablehnen.

Die Allgemeinheit fordert Antworten

Von der Ergo heißt es dazu auf mehrfache procontra-Nachfrage nur: „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns zu einzelnen Kundenbeziehungen nicht äußern. Es ist immer eine Einzelfallentscheidung, die vom gewählten Versicherungsprodukt abhängig ist.“ Auf die Diversität von Einzelfällen kann in der aktuellen Situation aber nicht abgestellt werden. Vielmehr ist die Allgemeinheit betroffen und somit alle vorhandenen BSV-Tarife. Schließlich sind nach den Anordnungen der 16 Bundesländer mittlerweile Millionen von Geschäften geschlossen.

Während die Einnahmen ausbleiben, fallen bei den Betrieben vermutlich täglich Kosten in Milliardenhöhe an, zum Beispiel für Miete und Personal. Schäden, gegen die sich Unternehmer mit einer BSV zumindest teilweise abgesichert sahen. Doch anscheinend ist die Regulierung der Corona-bedingten BSV-Schäden ein hochkomplexes Thema, dass die Versicherer derzeit einer regelrechten Zerreißprobe unterzieht. Das zeigt auch der Umgang weiterer Anbieter mit der Situation.

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