Altersvorsorge: Immer neue Ideen statt klarer Taten

Detlef Pohl Altersvorsorge Produkte & Personalien Berater Top News

Die angedachte Reform der Riester-Rente wird erneut vom Verbraucherzentrale-Bundesverband torpediert. Dessen Idee einer Zwangs-Altersvorsorge per „Extrarente“ soll mit einem neuen Gutachten Auftrieb bekommen. Haken und Ösen bleiben.

Die Extrarente soll mit weniger sonstigen Kosten als die Riester-Rente auskommen, glaubt vzbv-Vorstand Klaus Müller.

Die Extrarente soll mit weniger sonstigen Kosten als die Riester-Rente auskommen, glaubt vzbv-Vorstand Klaus Müller. Bild: vzbv

Viele tun viel zu wenig über die staatliche Rente hinaus für einen finanziell gut gepolsterten Ruhestand. Damit wird es im Alter womöglich sehr knapp. Daher will der Staat Arbeitnehmern über die staatlich geförderte Betriebs-, Basis- und Riester-Rente zu mehr Geld im Alter verhelfen. Bislang mit mäßigem Erfolg (procontra berichtete).

Bereits im vergangenen Mai hatte der Verbraucherzentrale-Bundesverband (vzbv) einen Vorschlag für die kapitalgedeckte Altersvorsorge unterbreitet, der die Schwächen der Riester-Rente ausbügelt: die „Extrarente“. Sie soll ein öffentlich-rechtlich organisiertes Standardprodukt für die private Altersvorsorge sein – quasi als Antwort auf die im Koalitionsvertrag fixierte Einführung eines „attraktiven standardisierten Riester-Produkts“, da Verbrauchern „meist teure, unrentable und unflexible Rentenversicherungen angeboten werden“ (procontra berichtete).

Gutachten macht praktische Vorschläge für Extrarente

Kürzlich haben die Verbraucherschützer ein drittes Universitäts-Gutachten für ihre Idee vorgestellt. Professor Markus Roth von der Universität Marburg macht im Gutachten konkrete Vorschläge, wie die Extrarente organisiert werden könne (procontra berichtete). Es gehe vor allem um die vorrangige Anlage in Aktien, die Organisation als Opt-Out-System für Angestellte über den Arbeitgeber (für Selbstständige, Hausfrauen oder Beamte gesondert) und geringere Kosten durch einen öffentlich-rechtlichen Träger (unabhängig von staatlichen Weisungen nach dem Muster der Bundesbank, kontrolliert durch einen Verwaltungs- und Verbraucherbeirat).

Zusatzvorsorge über den Kapitalmarkt müsse aber weder kompliziert noch teuer sein, heißt es beim vzbv mit Verweis auf die Ergebnisse in Schweden und Großbritannien, auf die auch das Gutachten verweist. Dennoch bleibt manches schwammig. Angaben zu den Kosten fehlen in der Präsentation völlig. Im Gutachten ist die Rede davon, dass die Finanzwirtschaft nur noch als Auftragnehmer des öffentlich-rechtlichen Trägers in Erscheinung treten würde.

Wieso soll Arbeitgeber private Extrarente organisieren?

Bei näherer Betrachtung hatten sich schon im Vorjahr mehrere Haken und Ösen gezeigt. So sollen Verbraucher über ihren Arbeitgeber automatisch in die Extrarente einbezogen werden, quasi als verpflichtende, arbeitgebergestützte Privatvorsorge mit Opt-Out-Option. Verbraucher, die nicht automatisch einbezogen werden, wie Selbstständige, Hausfrauen oder Beamte, könnten proaktiv in die Extrarente einzahlen (Opt-In).

Seite 1: Was das neue Gutachten zur Extrarente sagt
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