Windenergie: Wie Makler von der Energiewende profitieren können

Martin Thaler Berater Versicherungen Top News

Über 30.000 Windräder rotieren mittlerweile in Deutschland und bieten Maklern reichlich Absicherungspotenzial – wenn sie das nötige Fachwissen beherrschen.

Über 30.000 Windräder rotieren in Deutschland

Über 30.000 Windräder rotieren mittlerweile in Deutschland und bieten Maklern zahlreiche Chancen. Bild: Adobe Stock/Anselm

Welche Auswirkungen die Havarie eines Windrades haben kann, schilderte im Frühjahr vergangenen Jahres die Westfalen-Zeitung: Auch über 800 Meter von der zerstörten Maschine im ostwestfälischen Borchen entfernt fanden sich noch messerscharfe Glasfasersplitter auf den Feldern. Über 60 Landwirte konnten in der Folge über Wochen ihre Felder und Äcker nicht bewirtschaften.

Immer wieder tauchen Bilder brennender Windenergieanlagen (WEA) in den Nachrichten auf. Unfälle dieser Art liefern in der Regel spektakuläre, nachrichten-taugliche Bilder. Doch wie hoch ist das Schadensrisiko wirklich? Eine gesetzliche Statistik für derartige Schadensfälle gibt es nicht, die Angaben variieren je nachdem wen man fragt: Während der Bundesverband WindEnergie seit 2005 insgesamt 79 Havarien an WEAs festgestellt hat, spricht der TÜV-Verband von 50 gravierenden Schadensfällen im Jahr. Angesichts von mittlerweile über 30.000 Anlagen in Deutschland scheint das Risiko jedoch überschaubar.

Hohe Schadenssummen

Doch hohe Schadenssummen sowie vielfältige Schadensszenarien machen die Absicherung von Windrädern für Makler interessant und für Betreiber zur Notwendigkeit. „Aktuelle Windenergieanlagen kosten circa vier bis fünf Millionen Euro“, unterstreicht Vera Brochmann, Produktmanagerin Firmenkunden bei der Württembergischen Versicherung, das finanzielle Risiko. Zumal ein Totalverlust auch bereits durch einen kleinen Brand ausgelöst werden kann – schließlich seien brennende Gondeln bei einer Anlagen-Narbenhöhe von hundert Metern für die Feuerwehr nicht zu erreichen, betont Matthias Petsch, Underwriter und Windenergieexperte in der Sparte Technische Versicherungen bei HDI.

Doch auch fernab der Totalverluste sorgen kleinere Schäden dafür, dass die Anlagen stillstehen. Die Enser Versicherungskontor GmbH, ein Makler mit über 4.000 versicherten Windrädern, registrierte zwischen 2010 und 2016 insgesamt 1.055 Schadensfälle. Für viele Betreiber gehört eine Maschinenversicherung darum zur Standardabsicherung, auch wenn ein Großteil der Schäden über bestehende Vollwartungsverträge gedeckt wird. Eine passende Maschinenversicherung sollte darum punktuell den Vollwartungsvertrag ergänzen und Risiken wie beispielsweise Rückwirkungsschäden, Aufräumungs- und Entsorgungskosten abdecken.

Ein größeres Problem ist indes der Betriebsausfall. „Existenzbedrohend sind in der Regel fast nie die reinen Sachschäden an einzelnen Windrädern. Teuer wird es für alle Beteiligten, wenn ein Windpark monatelang stillsteht“, betont Cäsar Czeremuga, Bereichsleiter Sachversicherungen bei der Düsseldorfer Rechtsanwaltssozietät Wilhelm. Schließlich beruhten die Finanzierungen der Anlagen zumeist auf Renditeerwartungen, die einen Dauerbetrieb der Anlagen voraussetzten. „Entsprechend gilt es, Haft- und Karenzzeiten der Betriebsunterbrechungsversicherung sowie deren Deckungssumme ausreichend zu gestalten und Rückwirkungsschäden mit einzubeziehen“, rät Czeremuga.

Ein Rückwirkungsschaden liegt unter anderem dann vor, wenn durch einen Ausfall des Umspannwerkes die Einspeisung des Stroms ins Netz nicht möglich ist. „Im Falle eines Trafoschadens im Umspannwerk kann die Reparaturzeit auch schon einmal sechs bis acht Monate betragen“, mahnt Lars van Ellen. Der Auricher hat in seinen 28 Jahren als Versicherungsmakler bereits an die 5.000 Anlagen im In- und Ausland versichert, weiß also wovon er spricht, wenn er über die Höhe der möglichen Schäden referiert.

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