Wie Versicherer Digitalisierungslücken schließen wollen

Top News Digital Berater Michael Fiedler

Ende Januar gründete sich ein Verein führender Maklerversicherer, der das Ziel der Weiterentwicklung und Betrieb des für Makler kostenlosen Systems meinMVP verfolgt. Was diese Entwicklung für die Makler bedeutet und was Maklerverantwortliche anderer Versicherer darüber wissen sollten.

meinMVP: kostenfreies Tool für Makler aus Versichererhand

In Sachen Digitalisierung klafft bei vielen Maklern noch eine Lücke. Die wollen Versicherer nun selbst schließen. Bild: Adobestock / Nikokvfrmoto

Am 21.1. trafen in Hannover die Entscheider von VHV, Volkswohlbund, Itzehoer, Die Haftpflichtkasse, KS Auxilia, Gothaer und Swiss Life zusammen, um die Gründung des neuen Vereins „meinMVP e.V.“ zu beschließen. Ziel ist die Förderung der Maklerdigitalisierung und Bereitstellung der Serviceplattform meinMVP. Das erinnert doch sehr an den Brancheninitiative „Single Sign-On e.V.“, die mit dem Tool „easy Client“ ebenfalls die vereinfachte digitale Anbindung der Makler als Ziel erfolgt. Easy Login ist bekanntermaßen eine sehr erfolgreiche Brancheninitiative mit hohem Nutzen für die Makleranwender, zu dem auch das Engagement des Volkswohlbundes in hohem Maße beitragen hat. Entsprechende Aufmerksamkeit dürfte der neuen Initiative meinMVP e.V. somit sicher sein.

Maklerversicherer wollen Lücken schließen

Das damit verbundene Signal ist deutlich: Maklerversicherer haben die Digitalisierungs-Lücke bei kleineren und mittleren Maklern erkannt und diese als derartig relevant für das eigene Geschäft bewertet, dass man die Lösung selbst in die Hand nimmt und nicht mehr auf den Markt wartet. Es drängt sich der bekannte Spruch in Erinnerung: Wären Versicherer Autohersteller, würden sie Kühe züchten, um Leder für die Sitze zu gewinnen. Aber das gilt an dieser Stelle nicht, der MVP-Markt tickt derartig anders, dass man aus Sicht der Versicherer von einem Marktversagen für einige Maklersegmente sprechen kann. Die VHV und übrigen Vereinsmitglieder haben offensichtlich ihre Einschätzung und strategische Entscheidung getroffen.

Seit Markteintritt zur DKM 2018 hat meinMVP mittlerweile 4.300 registrierte Anwender. Im Vergleich zu anderen Systemen sind das zwar sehr hohe Zahlen, die jedoch nicht verwundern, denn die Anwendung ist vollständig kostenfrei. Darüber hinaus bekommt der Anwender auch Franke+Bornberg und Thinksurance als vollständig integrierte Vergleicher bereitgestellt, auch das Tool Appriori von Rechtsanwalt Michaelis gibt es ebenfalls als kostenlose Zugabe. Bereits dieses Angebot dürfte viele Makler anlocken, somit drängt sich konsequent die Frage auf: Wie viele der angemeldeten Makler nutzen das System intensiv? Und wenn wir schon bei offenen Fragen sind: Reicht der Funktionsumfang von meinMVP an die „Altsysteme“ im Markt heran, wie steht es um die Datenqualität der per GDV-Format bezogenen Kunden- und Vertragsdaten sowie der Zuordnung der per BiPRO gelieferten Dokumente?

meinMVP: Potenzial für Erweiterungen

Der Versuch einer Antwort: Wie auch immer man Nutzung definiert, die Zahl wird deutlich geringer als die Registrierungen sein. Und gemessen an den etablierten MVP-Systemen gibt es bei meinMVP auch noch Potenzial für fachliche Erweiterungen. Aber sind das zu diesem frühen Zeitpunkt der Brancheninitiative die entscheidenden Fragen? Fehlende Funktionen können bei einem Onlinesystem ohne Aufwand für den Anwender nachgeholt und zugekauft werden. Mit der Zeitsprung als Datendienstleister ist der erste große Schritt in Richtung Automatisierung getan. Entscheidend ist die Frage nach der eigenen strategischen Positionierung und diese Frage müssen sowohl Makler als auch Versicherer über kurz oder lang für sich beantworten.

Die Konsolidierung im MVP-Markt wird anhalten, in der dvb-Studie von 2019 zur Maklerkommunikation wurden bis zu 50 verschiedene Systeme gezählt, die derzeit produktiv eingesetzt werden. Viele Systeme werden auf Dauer zweifelsohne nicht weiterentwickelt bzw. ganz eingestellt werden. Die großen Anbieter wie acturis und Smart InsurTech haben ihre Weichen für ihre zukünftige Entwicklung gestellt, konzentrieren sich aber auf die größeren Maklereinheiten (man werfe nur einen Blick auf die angekündigten Kosten für das Datenclearing, hier werden für Makler in der Größe bis 15 Mitarbeiter fünfstellige Summen pro Jahr fällig). Und mit dem System alleine ist es nicht getan, bei der digitalen Umstrukturierung der Arbeitsabläufe im Maklerbüro entsteht Unterstützungsbedarf beim Makler. Die Brancheninitiative hat sich das auf die Fahnen geschrieben: Unterstützung kleiner Maklereinheiten bei der Digitalisierung. Und Maklerversicherer mit vertrieblicher Präsenz in der Fläche sollten das gewährleisten können.

Ohne Makler wird es für Versicherer schwer

Früher oder später werden viele Prozesse im Maklerbüro zu einem hohen Anteil automatisiert sein. Für Makler ohne digitale Lösung wird die Versicherungsvermittlung zunehmend unrentabel bis unmöglich. Die mittelgroßen Versicherer wird das besonders schwer treffen, sind sie doch stärker als die ganz Großen oder kleinen Nischenanbieter auf das margenstarke Direktgeschäft der Makler angewiesen. Der Volkswohlbund macht in den technischen Maklerservices seit vielen Jahren alles richtig, viele Versicherer der gleichen Gewichtsklasse dürften daher sehr genau hinschauen, ob sie sich an der Initiative beteiligen werden. Und auch das erinnert an easy login, deren Weg kein Sprint war, sondern eher einem Marathonlauf glich. Am Ende stehen dort jetzt eine hinreichend große Anzahl von Versicherer-Logos auf der Fahne, ein erfolgreiches Branchenprojekt in der Vermittlerkommunikation.

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