Wie eine Neiddebatte die PKV abschaffen soll

Panorama Top News Michael Fiedler

Eine aktuelle Studie gibt sich größte Mühe, die Trennung von Gesetzlicher und Privater Krankenversicherung als unsolidarisch zu entlarven. Doch dahinter verbirgt sich nur eine weitere Neiddebatte, kommentiert Michael Fiedler.

PKV vs GKV: wer ist solidarischer?

Eine neue Studie glaubt, die richtigen Argumente für die Abschaffung der PKV versammelt zu haben. procontra-Redakteur Michael Fiedler zweifelt daran. Bild: procontra

Ärzte, Beamte, Gutverdiener und Selbstständige, die nicht in die Kassen der gesetzlichen Krankenversicherung einzahlen, verhalten sich unsolidarisch, so das Kernergebnis einer Bertelsmann-Studie

Laut Studie sind gesetzlich Versicherte im Schnitt weniger gesund als privat Versicherte: Letztere stellen also "gute Risiken" dar, die der GKV verloren gehen. Zum „Beweis“ führen die Studienautoren an, dass GKV-Versicherte häufiger zum Arzt gehen und öfter stationär im Krankenhaus behandelt werden.

Das genügt den Studienautoren, um sich anschließend in Zahlenspielen zu ergehen, wie weit der Beitragssatz zur gesetzlichen Krankenversicherung sinken würde, wenn die knapp 9 Millionen privat Versicherten miteinzahlen würden.

Aber stimmen denn die Schlussfolgerungen der Studie? Lässt sich allein aufgrund von Behandlungsdauern auf den Gesundheitszustand schließen? Wohl kaum.
So zeigt die Studie auch, dass bei PKV-Versicherten häufiger Bluthochdruck diagnostiziert wurde als bei GKV-Versicherten. Und wer Verantwortung für das Wohl und Wehe von Angestellten und Firma trägt, legt auch mehr Wert darauf, möglichst schnell wieder auf dem Posten zu sein.

Dass die PKV der GKV die „guten Risiken“ abnehmen würde, lässt sich mit den steigenden Zahlen der freiwillig gesetzlich Versicherten auch nicht belegen. 

Solidarität und Kindermitversicherung

Dass PKV-Versicherte unsolidarisch seien, ist ohnehin eine steile These. Die Betrachtung tut gerade so, als wären es allein die GKV-Versicherten, die die Steuerzuschüsse für die GKV erarbeiten würden.
Auch die kostenfreie Mitversicherung von Kindern in der GKV wird in der Studie nicht weiter betrachtet.

GKV hat eigene Baustellen

Wer sich ernsthaft um eine Verbesserung im Gesundheitssystem bemüht, kann das tun, ohne auf die Alterungsrückstellungen der PKV zu schielen. Die GKV bietet genügend offene Baustellen. So wird das „Fairer-Kassenwettbewerb-Gesetz“ auch keine bundesweite AOK-Öffnung bringen. Folge: Wer beispielsweise in Schleswig-Holstein AOK versichert ist, zahlt immer noch höhere Beiträge als bei der AOK Sachsen-Anhalt.
Eine einheitliche Aufsicht, die Verträge zwischen Kassen und Ärzten auf unlautere Anreize prüft, wird es weiterhin nicht geben. Bei Patienten bestimmte Diagnosen zu dokumentieren und damit Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds zu erhalten, wird Ärzten und Kassen also auch in Zukunft nicht wesentlich erschwert.

Hier wären viel eher Ansatzpunkte, um die Gesundheitsversorgung zu verbessern. Lässt man – wie in der Studie – die Steuermittel und deren Erwirtschaftung außer acht, bereichert man Deutschland nur um eine weitere Neiddebatte.

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare