Wie der Poolmarkt in Bewegung gerät

Berater Top News von Martin Thaler

Dass diese Konsolidierungs- bzw. Kooperationswelle mit dem Zusammenschluss von Blau Direkt und WIFO ein Ende gefunden hat, ist unrealistisch. Im Gegenteil. Laut Pradetto werden in den nächsten Jahren fast zehn Milliarden Euro in den Markt fließen, um auf Investorenseite Vertriebseinheiten zusammenzukaufen. Hinzu kommt der mögliche Markteintritt von IT-Giganten wie Amazon oder Ping An. „Diese werden nochmal ein ganz anderes Ausmaß an Konsolidierungsdruck entfachen“, ist Pradetto überzeugt.

An Kooperationen führe aus diesem Grunde kein Weg vorbei: „Wer heute King of Kotelett ist, könnte morgen Marktverlierer sein. Kein Unternehmen im deutschen Markt hat die Kraft, es alleine zu schaffen.“

Der Zusammenschluss von Blau Direkt und WIFO mache die beiden zu „einer ernstzunehmenden Größe“, erklärte Branchenexpertin Sabine Brunotte gegenüber procontra (siehe Interview). Beide Unternehmen setzen mit Lebens-, Kranken- und Kompositversicherungen die dieselben Geschäftsfelder und kamen 2018 auf einen gemeinsamen Umsatz von rund 66 Millionen. In der aktuellen Maklerpool-Hitliste des Branchenmagazins Cash würde dies den sechsten Platz aller Pools in Deutschland bedeuten.

Kooperation statt Übernahme

Dass die beiden Unternehmen dabei den Weg einer Kooperation wählen und keine Übernahme stattfindet, mache dabei durchaus Sinn, findet Brunotte. „Übernahmen kosten Geld, das meist an anderer Stelle dringend gebraucht wird. Warum also eine Übernahme, wenn man auch kooperieren kann?“ Auch für andere Pools würden Kooperationen dieser Art durchaus Sinn ergeben – vor allem für mittlere und kleine Häuser.

Ob es auch bei Blau Direkt zu weiteren Kooperationen kommt, bleibt abzuwarten. Im vergangenen Sommer geisterte das Gerücht durch die Branche, dass der Münchener Pool Jung, DMS & Cie den Lübecker Konkurrenten aufkaufen wollte. Einen Kauf durch die Münchener hatte Pradetto damals gegenüber procontra verneint, allerdings betont, dass es Gespräche mit JDC zu einer Kooperation gebe.

Gefragt nach dem Stand dieser Kooperationsgespräche gab sich Pradetto ausweichend: „Wir schätzen die Kollegen von JDC sehr, bewundern deren KnowHow um eine börsenwert-orientierte Unternehmensführung. Umgekehrt sind wir mehr die Arbeiter, die gern einfach mal operativ wegräumen, was anfällt. Das könnte sich hervorragend ergänzen, führt aber auch zu unterschiedlichen Denkwelten. Insofern sind wir immer latent im Gespräch, ums uns anzunähern und von den Kollegen zu lernen.“

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