Warum läuft Cyber noch nicht?

Berater Versicherungen Michael Fiedler von Michael Fiedler

Cyberschutz ist so wichtig wie eine Haftpflicht- oder Feuerversicherung. Dennoch hinkt der Policenabsatz den Erwartungen hinterher. Woran das liegt und wie es sich ändern könnte.

Cyberschutz für KMU: Richard Renner (Perseus) kennt sich damit aus

Richard Renner (Perseus) bei den "Düsseldorfer Maklergesprächen". Warum vollzieht sich der Policenzuwachs im Cybergeschäft nur so schleppend? Bild: procontra/Fiedler

Im Cyberbereich vollzieht sich der Policen-Zuwachs langsamer als gedacht. Laut Richard Renner, Geschäftsführer von Perseus, wird es zwar immer mehr Geschäft. Die Frage sei derzeit, wann die kritische Masse überschritten wird. Auf den „Düsseldorfer Maklergesprächen“ machte der Experte deutlich, worauf der schleppende Zuwachs aus seiner Sicht zurückzuführen ist.

Eine Hürde besteht dabei in der Komplexität des Themengebiets Cyber. Fachwissen muss aufgebaut und für die intensive Beratung strukturiert werden. Ein reiner Online-Beratungsansatz ist da schwierig, so Renner.

Haftungsproblem Cyber

Gelingt es Vermittlern nicht, das Bedrohungspotenzial von Cybercrime deutlich genug anzusprechen? Immerhin herrscht Einigkeit darüber, dass Cyberrisiken ähnlich zu bewerten sind wie Haftpflicht oder Feuer.

Vermittlern müsse es gelingen, bei ihren Kunden Sensibilität und Problembewusstsein für Cyberrisiken zu wecken, so Renner. Es seien eben nicht nur Großkonzerne, die angegriffen würden. Auswertungen des Bundeskriminalamtes (BKA) zeigen eine deutliche Zunahme von Cyberangriffen auch bei KMU, Ärzten und Handwerkern.
Vermittler sollten, laut Renner, auch Schadenbeispiele für diese Zielgruppen bereithalten, um den Bedarf aufzuzeigen.

Makler, die Cyberrisiken und -absicherung nicht im Jahresgespräch ansprechen, steuern auf ein Haftungsproblem zu, so Renner. Seine Empfehlung: Ähnlich wie bei der Elementarschadendeckung sollten sich Vermittler das „Nein“ des Kunden gegenzeichnen lassen. Zum einen dient das eben der Enthaftung. Zum anderen kann dabei in Formulierung deutlich gemacht werden, worauf der Kunde verzichtet.

Strategische Fehler der Assekuranz

Doch auch die Versicherer haben laut Renner einen Anteil an der eher langsamen Geschäftsentwicklung. So seien die Risikofragebögen teilweise zu komplex und zu fachlich. Und Renner hält es für einen strategischen Fehler, Cyberkriege als Ausschlusskriterium bei Cyberpolicen aufzuführen. Damit würden falsche Signale in den Markt gesendet und die Hemmschwelle, Cyberschutz abzuschließen, erhöht.

Renners Empfehlung für erfolgreiches Cybergeschäft: Der Risikotransfer sollte nicht im Vordergrund der Beratung stehen, sondern z.B. Handlungsmaßnahmen für konkrete Probleme. Entscheidend seien Zusatzservices und gezielte Prävention.