Versicherungwert öffentlicher Gebäude stimmt fast nie

Versicherungen von UWE SCHMIDT-KASPAREK

Bürgermeister können haften

In Zeiten sehr enger Kassen kann der Verzicht auf ordentlichen Versicherungsschutz für Kommunalpolitiker auch nach hinten losgehen. Wer etwa nach einem Brand den Totalschaden einer Schule oder eines Krankenhauses zu bezahlen hat und nur einen Bruchteil der Summe herausbekommt, könnte sich politischen Ärger einhandeln. Ferner muss unter Umständen für den falschen Schutz wegen Untätigkeit gehaftet werden. „Rechtssichere Ausschreibungen minimieren das Risiko der Entscheidungsträger und deren Aufsichtsgremien, für mangelhafte Versicherungsdeckungen persönlich verantwortlich gemacht zu werden“, betont Klaus Obereigner von der Versicherungsberaterkanzlei InRisCon aus Frankfurt. Der Versicherungsberater Jörg Deppner aus Hilpoltstein vergleicht die Situation mit einem riesigen Eisberg. „Lediglich 10 Prozent der Kommunen, die ausschreiben sollten, tun dies auch.“

Pro Jahr finden lediglich 80 bis 150 EU-weite Ausschreibungen von Versicherungsverträgenstatt. „Immerhin ist mittlerweile ein Umdenken bei den öffentlichen Verwaltungen im Gange“, hat Elmar Sittner, Versicherungsberater aus Leipzig, beobachtet. In einigen Bundesländern, wie beispielsweise Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, werde seit geraumer Zeit mehr und mehr ausgeschrieben. Eigentlich sollten Ausschreibungen künftig boomen. „In den vergangenen Jahren können wir eine zahlenmäßige Steigerung der Ausschreibungen erkennen“, stellt immerhin bereits die Versicherungskammer Bayern (VKB) fest. Um die Aufsichtsbehörden ruhigzustellen, beauftragen aber offenbar immer mehr Gemeinden und öffentliche Institutionen Berater, die eine Ergebnisprognose für eine Ausschreibung erstellen sollen. „Solange der Bestandsversicherer die Füße stillhält, kann es heute viel besser sein, den Versicherungsschutz nicht auszuschreiben“, stellt Berater Deppner fest. Derzeit reist er mit seinem Kollegen Rüdiger Falken durch Deutschland und erstellt für 6.000 bis 8.000 Euro Gutachten für Kommunen. Darin werde aber der Ist-Stand neutral bewertet. Aufgezeigt werde eine Prämienschätzung bei Neuversicherung. Aber auch falscher Versicherungsschutz und die Möglichkeiten, den Schutz über den Markt zu verbessern, kämen auf den Tisch. „Auf Basis des Gutachtens kann der öffentliche Auftraggeber dann die Entscheidung treffen, ob neu ausgeschrieben werden soll“, so Deppner.

Die vollständige Version inklusive Zusatzmaterial lesen Sie in der Print-Ausgabe 01/2020 der procontra.

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