Versicherungwert öffentlicher Gebäude stimmt fast nie

Versicherungen von UWE SCHMIDT-KASPAREK

Kommunen müssten ihre Versicherungen regelmäßig ausschreiben, tun dies aber selten. Nun lassen immer mehr zumindest den Status quo überprüfen und benötigen dafür externe Versicherungsexperten.

Kommunen oder die öffentliche Hand sind lohnende Zielgruppen für Vermittler.

Kommunen oder die öffentliche Hand sind lohnende Zielgruppen für Vermittler. Illustration: Eleonora Mavromati

Den Versicherungsschutz von 67 eigenen Gebäuden schreiben die Stadtbetriebe En- nepetal Mitte 2019 aus. Veröffentlicht wird das Angebot über das EU-Online-Portal TED (Tenders Electronic Daily). Umgerechnet sollen der Gebäude- und Inventarschutz für Immobilien im Wert von über 190 Millionen Euro auf neue Füße gestellt werden. Den Zuschlag erhält am Ende des Jahres die Westfälische Provinzial. Das darf nicht verwundern, denn sie ist einziger Bieter.

Noch immer haben viele EU-weite Ausschreibungen oft nur ganz wenige Interessenten. Dabei soll doch bester Versicherungsschutz am Markt organisiert werden. Der Grund: Öffentliche Ausschreibungen sind hochkomplex. „Im Vergaberecht lauern viele Stolperfallen“, erklärt Stefan Scholz, Mitglied der Geschäftsleitung des Versicherungsmaklers Aon. Ausgeschrieben und versichert wird von der öffentlichen Hand in der Regel der Immobilienbestand der Kommune. Für den Haftpflichtschutz gibt es hingegen spezielle kommunale Einrichtungen. Die geschätzte Prämienhöhe entscheidet über den Umfang der Ausschreibung. Der Schwellenwert für eine EU-weite Ausschreibung liegt ab 2020 für vier Jahre bei 214.000 Euro. Dafür wird die Jahresnettoprämie auf diesen Zeitraum hochgerechnet. „Unterhalb des Schwellenwerts wird national ausgeschrieben“, erläutert Friedhelm Wagner vom Versicherungsberater Wagner Consulting aus Delmenhorst.

Kommunen müssen Schutz überprüfen

Derzeit befinden sich die Kommunen und ihre Versicherer in einer heiklen Lage. Die Altprämien sind kaum noch wirtschaftlich, wie die VGH aus Hannover feststellt. Der gesamte Markt schreibt rote Zahlen. Also müssten die Prämien um mindestens 10 bis 15 Prozent erhöht werden. Doch dann ist eigentlich eine Ausschreibung Pflicht. Das wäre zudem schon deshalb notwendig, weil viele der schätzungsweise 15.000 Kommunen und öffentlichen Institutionen falsch versichert sind. „Die Versicherungswerte für Gebäude stimmen fast nie“, sagt beispielsweise der Versicherungsberater Andreas Kutschera aus Mönchengladbach. Derzeit rütteln immer mehr Rechnungs- prüfungsämter die Kommunen wach und fordern eine Kontrolle des Schutzes. Aktive Vermittler könnten hier mithelfen. Doch nicht jeder darf alles. Versicherungsmakler können eine Ausschreibung inhaltlich vorbereiten. Sie können die Finger in die Wunden legen, Summen richtig ermitteln, zusätzlichen Elementarschutz oder eine All- Risk-Deckung vorschlagen. Für die Durchführung der Vergabe wird ein zugelassener Versicherungsberater benötigt. Auf der Bieterseite können hingegen Mehrfachagenten in Auftrag und Vollmacht für Versicherer tätig werden.

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