Überschuss: Was Lebensversicherungen noch bringen

Versicherungen Top News Detlef Pohl LV-Check

„Wenn die Kapitalmarktzinsen allerdings so niedrig bleiben, wird sie letztendlich schwer zu realisieren sein“, befürchtet Will. Auch fast alle Studienteilnehmer selbst sehen für die Klassik eine negative Geschäftsaussichten. Deutlich optimistischer schätzt die Branche die Wachstumschancen für neue oder moderne klassische Produkte (Neue Klassik) ein. Mit 28 Unternehmen in der Studie (Marktanteil 61 Prozent) bieten erstmals mehr Lebensversicherer einen neuen klassischen Tarif im Neugeschäft an als das traditionelle Pendant. 2015 hatte der Marktanteil in der Studie erst bei einem Drittel gelegen.

Wie die Klassik in ihrer traditionellen Form basieren auch neue klassische Policen auf einer konventionellen Überschusssystematik sowie dem Ausgleich im Kollektiv und der Zeit. Häufig haben die Anbieter aber die Garantieelemente gegenüber der Klassik modifiziert beziehungsweise herabgesetzt. „Ziel ist es, die Produkte dadurch kapitaleffizienter zu gestalten und die Kunden mehr am Überschuss zu beteiligen als in der Klassik möglich“, erläutert Heermann. Allerdings sei auch die Neue Klassik im aktuellen Zinsumfeld nicht vor Überschussabsenkungen gefeit.

Auch neue Klassik nicht vor Absenkungen gefeit

So haben auch die Anbieter neuer Klassik mehrheitlich (20 Versicherer) die laufende Verzinsung abgesenkt, die restlichen acht hielten sie stabil. Für 2020 liegt die laufende Verzinsung der betrachteten Tarife bei durchschnittlich 2,28 Prozent (Vorjahr: 2,40 Prozent). Bei der Gesamtverzinsung und der illustrierten Beitragsrendite stellt sich dann jedoch ein Renditevorteil (2,41 Prozent) gegenüber der Klassik (2,07 Prozent) heraus.

Wegen der anhaltenden Niedrigzinsen steigt 2020 der Bedarf für die Zinszusatzreserve (ZZR) wieder etwas an – trotz der bilanziellen Erleichterungen für die Versicherer seit Ende 2018 (procontra berichtete). Mit der ZZR wird sichergestellt, dass auch die hohen Garantien früherer Jahre jederzeit lückenlos bedient werden können. Insgesamt sind nunmehr etwa 75 Milliarden Euro für diesen Zweck gebunden (2014: 13,5 Milliarden Euro).

Die Studie, die kostenpflichtig im Internet bestellt werden kann, offenbart zudem, wie Indexpolicen aktuell verzinst werden (procontra berichtete). Darüber hinaus bietet sie umfangreiche Informationen rund um das Thema Garantien und zur Dotierung der ZZR.

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