„Telematik wird kaum nachgefragt und hat technische Schwachstellen“

Digital Berater Versicherungen Top News Florian Burghardt

Telematik-Tarife gelten als der große Zukunftstrend in der Kfz-Versicherung. Doch im Gespräch mit Maklern zeigen sich nicht nur die mangelnde Nachfrage, sondern auch Bedenken hinsichtlich technischer Umsetzung und Datenschutz.

Der Andrang hält sich bei Telematik-Tarifen noch stark in Grenzen. Das berichten Makler auch aus eigener Erfahrung.

Der Andrang hält sich bei Telematik-Tarifen noch stark in Grenzen. Das berichten Makler auch aus eigener Erfahrung. Bild: Pixabay

Ob sie ihren Kunden Telematik-Tarife in der Kfz-Versicherung empfehlen? Diese Frage können die Versicherungsmakler Marlene Drescher und Rainer Schamberger klar mit nein beantworten. Makler Tobias Bierl formulierte es auf procontra-Nachfrage etwas diplomatischer, kam aber zum selben Ergebnis: „Wir müssten deswegen im nicht immer wirklich lukrativen Kfz-Geschäft tiefer in die Thematik einsteigen. Zudem hat jede Gesellschaft unterschiedliche Ansätze. Wir würden unsere Beratung noch mehr verkomplizieren. Aus diesem Grund nehmen wir die Thematik rund um den Telematik-Tarif nicht in die Beratung auf.“

Diese Haltung der unabhängigen Vermittler dürfte Kfz-Versicherer ins Grübeln bringen. Schließlich betonen Experten immer wieder, dass Telematik-Tarife, bei denen die Beiträge der Nutzer nach ihrem individuellen Fahrverhalten ermittelt werden, der nächste große Trend in der Kfz-Versicherung ist.

Telematik wird quasi gar nicht nachgefragt

Doch für wen eigentlich? Knapp die Hälfte der 50 größten Kfz-Versicherer läuft seit Jahren den Verlusten hinterher. Ob gerade ihnen preisgünstige Produkte weiterhelfen können, darf bezweifelt werden. Tendenziell könnten Telematik-Tarife, die überwiegend eine junge und technik-affine Zielgruppe ansprechen, besonders für die Kfz-Versicherer etwas sein, die seit Jahren viele Kunden verlieren. Doch die Vertragsabschlüsse halten sich bei den modernen Tarifen immer noch stark in Grenzen.

Die schwache Nachfrage können Makler auch in der Praxis bestätigen. Die Bierls haben genau zwei Kunden mit Telematik-Verträgen im Bestand. Beide hätten den Tarif damals auch aktiv nachgefragt. Drescher kann sich in 18 Jahren als Maklerin ebenfalls nur an zwei Kunden erinnern, die etwas zu dem Thema wissen wollten. „Denen habe ich es kurz erklärt und dann haben sie es schnell abgewunken“, erzählt die Maklerin aus dem thüringischen Altenbergen.

Schamberger wurde noch gar nicht auf diese Tarife angesprochen, hat den Fokus allerdings auch auf Gewerbekunden. Telematik-Tarife würden aus seiner Sicht aber auch aufgrund technischer Aspekte kaum Sinn machen.

Seite 1: Nur 2 Kunden in 18 Jahren
Seite 2: Warum Telematik kaum Sinn macht
Seite 3: Bedenken beim Datenschutz

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare