Sparverträge: Verbraucherschützer erringen Erfolg gegen Sparkasse

Berater Investmentfonds Martin Thaler

Die Sparkasse Bodensee wollte ihre Kunden mit verlockenden Sonderprämien zur Kündigung alter Sparverträge drängen. Diese Praxis mahnten Verbraucherschützer ab - mit Erfolg.

Verbraucherschützer siegen gegen Sparkasse

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg mahnte die Sparkasse Bodensee erfolgreich ab. Bild: Adobe Stock/rcfotostock

Für viele Sparkassen sind die in den 1990er- und 2000er-Jahren hoch verzinsten Sparverträge mittlerweile zu einer echten Last geworden. So ist es wenig verwunderlich, dass zahlreiche Institute darum bemüht sind, sich dieser Last zu entledigen – jedoch nicht immer mit legalen Mitteln.  

Der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg gelang in diesem Zusammenhang nun ein wichtiger Erfolg – die Verbraucherschützer mahnten die Sparkasse Bodensee erfolgreich ab. „Die Sparkasse wollte Kunden mit einer Extra-Prämie zur vorzeitigen Kündigung bewegen, um sich von der Zahlungspflicht weit höherer Prämien bei regulärer Vertragsfortsetzung zu lösen“, kritisierte Niels Nauhauser, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.  

Wie dies konkret aussah, schilderte eine betroffene Kundin gegenüber dem Deutschlandfunk. Ihr sei eine Sonderprämie in Höhe von 780 Euro angeboten worden, wenn sie ihren Sparvertrag kündigen würde, berichtete die Kundin. Rechtzeitig bemerkte sie allerdings, dass das verlockende Angebot einen Haken aufwies – schließlich würde sie die Prämien, die der Vertrag vorsah, nicht mehr bekommen.  

Rechtswidrige Erkärungen

Dies darf die Sparkasse Bodensee in Zukunft nicht mehr machen – zumindest nicht in der bisherigen Form. Denn das bisherige Schreiben wies rechtswidrige Erklärungen auf, gegen die die Verbraucherzentrale vorging. So behauptete die Sparkasse beispielsweise in ihrem Schreiben, dass die Kunden ausführlich über den Sachverhalt unterrichtet worden seien. Zu Unrecht, befanden die Verbraucherschützer. „Die Sparkasse hat schlicht verschwiegen, welche Summe den Kunden entgeht, die das Angebot annehmen“, erklärte Nauhauser. Kunden wären so teilweise 10.000 bis 20.000 Euro entgangen.  

Zudem sollten die Sparkassen-Kunden bestätigen, dass ihnen „bewusst“ sei, dass der Auszahlungsbetrag nach regulärer Vertragslaufzeit höher sei als der angebotene Auszahlungsbetrag. „Hierbei handelt es sich um eine unzulässige Bestätigung rechtlich relevanter Umstände, welche als solche rechtswidrig ist“, so Nauhauser.   Mittlerweile habe die Sparkasse eine entsprechende Unterlassungserklärung abgegeben, berichtet die Verbraucherzentrale weiter. Man werde keine Vertragsangebote zur Auflösung von Prämiensparverträgen mehr verschicken, in denen Verbraucher nicht über den tatsächlichen Auszahlungsbetrag bei regulärer Vertragslaufzeit informiert werden. Kunden, die das Angebot der Bank zuvor angenommen hätten, könnten laut Nauhauser den entsprechenden Aufhebungsvertrag nun anfechten.  

Die Sparkasse Baden-Württemberg ist nicht das einzige Geldinstitut, das bestrebt ist, sich von alten Sparverträgen zu trennen. Laut Angaben des Onlineportals biallo.de seien zuletzt 280.000 Verträge gekündigt worden. Den Weg hierfür hatte ein Urteil des Bundesgerichtshofs freigemacht.

Vermittler sind gefragt

Auch sonst haben Bankkunden derzeit wenig Grund zur Freude – immer mehr Banken greifen aufgrund der Niedrigzins-Phase zu Strafzinsen. Man wisse derzeit von 70 Banken, die gegenüber ihren Kunden Strafzinsen aufs Tagesgeld verlangen, erklärte Toralf Richter vom Vergleichsportal Verivox gegenüber dem MDR. Waren hiervon vor allem vermögende Kunden betroffen, gibt es mittlerweile auch Banken, die Strafzinsen von ihren Kunden ab dem ersten Euro verlangen.  

Alternativen sind also gefragt – jedoch scheuen viele Kunden vor Aktien und Fonds noch immer zurück. Vermittlern kommt hier eine entscheidende Rolle, bestehende Bedenken abzubauen. Wie dies gelingen kann, können Sie unter anderem auf unserer aktuellen Themenseite nachlesen.

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