Riester-Reform: Nun wird es ernst

Versicherungen Top News Martin Thaler

Lange Zeit geschah nichts, nun beginnt die Politik den Riester-Reformdialog mit der Versicherungswirtschaft und Verbraucherschützern. Für die Versicherer ist dieser Chance und Risiko zugleich.

BMF Riester Rente Altersvorsorge

Das Finanzministerium lud zu einem ersten Gespräch zur Zukunft der Riester-Rente. Bild: BMF/Hendel

Der Auftakt ist gemacht: Am Donnerstag startete in Berlin der Dialogprozess zur Zukunft der Riester-Versicherung – diesen hatte die Große Koalition in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart. Eingeladen hatte das Bundesfinanzministerium zu einer Anhörung, geladen waren unter anderem Vertreter des GDV sowie Verbraucherschützer des vzbv.  

Über die Ergebnisse des ersten Zusammentreffens wollte keine der beteiligten Parteien Auskunft geben. Auf procontra-Nachfrage hieß es lediglich, dass über den Inhalt des Gesprächs Stillschweigen vereinbart wurde. Auch die Frage, ob und wann weitere Gesprächsrunden folgen werden, blieb unbeantwortet.  

Einig sind sich alle beteiligten Parteien darin, dass sich bei der Riester-Rente etwas ändern muss, auch wenn das im Koalitionsvertrag formulierte Ziel sehr vorsichtig formuliert ist: „Wir halten am Drei-Säulen-Modell fest und wollen in diesem Rahmen die private Altersvorsorge weiterentwickeln und gerechter gestalten. Es ist ein Dialogprozess mit der Versicherungswirtschaft anzustoßen mit dem Ziel einer zügigen Entwicklung eines attraktiven standardisierten Riester-Produkts“, heißt es hier lediglich.  

Chance für Versicherer

Viel geschehen ist seitdem bis zu diesem Donnerstag nicht. Verwunderlich angesichts der Bedeutung, die die Riester-Rente für die Altersvorsorge vieler Deutscher hat. Auf über 16,5 Millionen Riester-Verträge summierte sich nach letzten Zahlen des Finanzministeriums der Vertragsbestand – zuletzt allerdings mit Drall nach unten. Vor allem die Zahl der Versicherungsverträge ist bereits seit einigen Jahren rückläufig – hier lag der Bestand zuletzt noch bei 10,764 Millionen, nachdem dieser zu Höchstzeiten (2014) noch bei über elf Millionen betrug.




Ein unbefriedigendes Ergebnis auch für die Versicherungswirtschaft, die die aktuellen Gespräche auch als Chance verstehen dürfte, ihren Ideen zur Wiederbelebung der privaten Vorsorge Gehör zu verschaffen. Diese fokussieren sich auf eine Fortentwicklung des bestehenden Systems und gegen einen Systemwechsel, wie ihn die „Deutschland-Rente“ aus Hessen oder die „Extra-Rente“ vorsehen. „Das Riester-System ist renovierungsbedürftig. Ein Abriss ist aber keine Lösung“, befand GDV-Präsident Dr. Wolfgang Weiler auf der diesjährigen Jahresmedienkonferenz des Verbands.  

Zusammen mit dem Fondsverband BVI und dem Verband der Bausparkassen haben die Versicherer in diesem Zusammenhang ein Fünf-Punkte-Programm erstellt. Dieses sieht unter anderem ein vereinfachtes Zulageverfahren, die Schaffung von unkomplizierten und kostengünstigen Standardprodukten und die Öffnung der geförderten privaten Altersvorsorge für alle Personengruppen vor. Auch eine Lockerung der Bruttobeitragsgarantie gehört zu den Forderungen – hier sprach sich der GDV zuletzt für eine Senkung auf 80 Prozent aus.  

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