Rentenlücke bei Frauen geht zurück, aber...

Martin Thaler Berater

Laut einer neuen Studie ging die Rentenlücke von Frauen gegenüber Männern über die vergangenen Jahre zurück. Trotzdem bleibt das Beratungspotenzial für Makler hoch.

Frauen mit 53 Prozent weniger Alterseinkommen

Frauen haben im Durchschnitt 53 Prozent weniger Einkommen im Alter als Männer. Bild: Adobe Stock/dragonstock

Die berufliche, wirtschaftliche und soziale Situation hat sich für Frauen in Deutschland in den letzten Jahren deutlich verbessert – allerdings besteht insbesondere im Bezug auf die spätere Rentenlücke weiter deutlicher Nachholbedarf. Zu dieser Feststellung gelangte nun eine Studie, die das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.  

So sank die Rentenlücke, die sogenannte Gender Pension Gap, zwischen Männern und Frauen von 69 Prozent im Jahr 1992 auf 53 Prozent im Jahr 2015. Berücksichtigt wurden hierbei alle drei Säulen der Alterssicherung. „Diese Entwicklung zeigt beispielhaft: Der Rückstand der Frauen wird in wichtigen Bereichen kleiner. Aber Fortschritte bei der Gleichstellung vollziehen sich meist sehr langsam“, erklärte Studienautorin Dr. Karin Schulze Buschoff.  

Weiterhin fallen die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland deutlich aus: Während in den alten Bundesländern Frauen im Alter im Durchschnitt 58 Prozent weniger Geld als Männer zur Verfügung haben, beträgt die Rentenlücke im Osten lediglich bei 28 Prozent.

Deutlich aufholen konnten Frauen vor allem bei der Erwerbstätigkeit. Gingen Anfang der 90er-Jahre nur 57 Prozent einer Beschäftigung nach, stieg die Erwerbstätigenquote vor allem seit Ende der 90er-Jahre stark an und betrug zuletzt 72 Prozent. Damit liegt die Erwerbstätigenquote zwar immer noch unter der der Männer (80 Prozent), die Lücke konnte in den vergangenen Jahren jedoch deutlich verkleinert werden.  

Deutliche Unterschiede bei Gehalt

Unverändert bleibt aber die Tatsache, dass Frauen beim Gehalt immer noch deutlich gegenüber Männern zurückstecken müssen. Zwischen 2006 und 2018 liegt die Gender Pay Gap nahezu unverändert bei knapp über 20 Prozent. Die Gründe hierfür seien vielfältig, stellten die Forscher fest. Noch immer sind es Frauen, die den Beruf und die eigene Familie unter einen Hut bringen müssen. Entsprechend häufiger sind sie gezwungen, einer Teilzeitbeschäftigung nachzugehen – statistisch betrachtet sind Frauenviermal so häufig wie Männer in Teilzeit tätig.  

Auch die Berufswahl spielt eine entscheidende Rolle für die Gehaltsunterschiede. So sind die Gehälter in „typischen Frauenberufen“ im Pflege- und Gesundheitsbereich meist deutlich niedriger als in technischen Berufen, in denen Männer die Mehrheit unter den Beschäftigten bilden. So verdienen 25 Prozent aller Frauen trotz Vollzeitstelle weniger als 2.000 Euro brutto im Monat – bei Männern beträgt die Quote hingegen nur 14 Prozent.  

Fortschritte gab es zuletzt auch beim Thema private Altersvorsorge zu verzeichnen. Hier verliere die Haltung, dass der Mann die beste Altersvorsorge sei, insbesondere bei jüngeren Frauen immer mehr an Bedeutung, berichtete Finanzberaterin Barbara Rojahn im Interview mit procontra, merkte jedoch an: „Woran es hingegen noch fehlt, ist die sich aus dem Bewusstsein ergebende Konsequenz, trotz geringerem Einkommen genauso viel wie die Männer in die Altersvorsorge zu investieren.“  

Hier geht es für Makler darum, ihre weiblichen Kunden für die notwendigen Vorsorge-Schritte zu sensibilisieren – ohne hierbei Druck auszuüben. „Druck ist das Allerschlimmste, was man bei Frauen ausüben kann“, so Rojahn.

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