Provinzial-Fusion: ver.di will Kündigungen verhindern

Versicherungen Michael Fiedler

Die geplante Fusion von Provinzial Rheinland und Provinzial NordWest könnte Arbeitsplätze kosten. Darauf ist die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di vorbereitet. Sie hat erst vor kurzem einen neuen Tarifvertrag ausgehandelt.

verdi Fusion Provinzial Stellenabbau

Im Südwesten organisierte ver.di Warnstreiks gegen geplanten Stellenabbau. Foto: Tom Weller/dpa

Neues im Westen: Mit der geplanten Fusion von Provinzial Rheinland und Provinzial Nordwest entsteht ein neues „Schwergewicht“ im Markt. Angesichts der nun erzielten Einigung hieß es, für Mitarbeiter, Vertriebe und Eigentümer würden sich „gute Chancen für eine erfolgreiche gemeinsame Zukunft bieten.“

Aber nicht jeder will in den allgemeinen Jubelchor einstimmen. „Unserer Erfahrung nach gehen solche Fusionen mit Stellenabbau einher“, so Frank Fassin von ver.di gegenüber procontra. Fassin war Verhandlungsführer der Gewerkschaft und konnte Anfang des Jahres einen neuen Tarifvertrag erstreiten.

Tarifvertrag mit wegweisender Wirkung

„Gerade in der Situation des Fusionsprüfungsprozesses ist dieser Tarifvertrag ein hartes Stück Arbeit gewesen, das aber im Ergebnis eine für die gesamte Versicherungswirtschaft wegweisende Vereinbarung ergeben hat.“ Für die rund 3.500 Beschäftigten der Provinzial NordWest gelten u.a. folgende Regelungen:

  • Beschäftigungsschutz: Betriebsbedingte Beendigungskündigungen schließt der Tarifvertrag bis Juni 2025 aus.
  • Standortsicherung: Die Betriebe Münster, Kiel und Hamburg werden dauerhaft gesichert. Alle drei Standorte sollen sich quantitativ wie qualitativ ausgewogen entwickeln.
  • Schutz vor Outsourcing: Ein Outsourcing ist nur in sehr eng beschriebenen Grenzen überhaupt möglich. In jedem Fall sind negative Auswirkungen für eventuell betroffene Beschäftigte ausgeschlossen.
  • Sicherung der Arbeitsbedingungen: In jedem einzelnen Fall einer Veränderung des Arbeitsplatzes kommen die bestehenden bzw. künftig abzuschließenden Sozialpläne zur Anwendung.
  • Tarifbindung: In allen Teilen des Konzerns sollen auch zukünftig die ver.di-Tarifverträge gelten.
  • Erweiterung von Beteiligungsrechten: Die Betriebsräte im Konzern erhalten dabei er-weiterte Beteiligungsrechte, insbesondere hinsichtlich der Themen Arbeitnehmerqualifizierung und Wissenstransfer für die Beschäftigten, sowie zum Erhalt bzw. zur Förderung der Gesundheit. Darüber hinaus ist zu verhandeln, wie die betriebsrätliche Beteiligung bei der Planung, Entscheidung und Umsetzung von betrieblichen Veränderungen auf eine noch breitere Grundlage gestellt werden kann.

Allerdings steht dieser Tarifvertrag unter sogenanntem Fusionsvorbehalt. Für den Fall einer Fusion oder einer wesentlichen Änderung der Anteilseignerstruktur der PNW räumt der Tarifvertrag dem Unternehmen ein vorzeitiges Kündigungsrecht ein. Dies kann allerdings nur mit einer Frist von einem Jahr erfolgen und frühestens zum Ende Juni 2022.

ver.di will Kündigungen verhindern

Dass ver.di bei der kürzlich erfolgen Eigentümerversammlung nicht mit am Tisch saß, ist nicht ungewöhnlich, so Fassin gegenüber procontra. Das wird sich spätestens ändern, wenn die Details einer möglichen Fusion besprochen werden. Fassin rechnet damit gegen Ende März. Sein Verhandlungsziel ist dabei klar: eine Fusion soll es nur ohne Kündigungen geben.

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