Pflege-Eigenanteile sind durch die Decke gegangen

Berater Versicherungen Top News von STEFAN TERLIESNER

„Die Eigenanteile sind durch die Decke gegangen“, urteilen die Kölner Forscher. Ein Gegenmittel gebe es bisher nicht. Wie IW-Pflegeexpertin Kochskämper weiter ausführt, „zeigt die Politik zwar viel Aktionismus. Aber es ist fraglich, ob er zum Ziel führt“. Anders als geplant, habe zum Beispiel die Reform der Pflegeversicherung im Jahr 2017 den Anstieg des Eigenanteils nicht gebremst. Vielmehr sei das Gegenteil der Fall. Zur Erinnerung: Die bis dato geltenden drei Pflegestufen wurden im Rahmen der Reform in fünf Pflegegrade umgewandelt. Seither wird der Eigenanteil eines Pflegebedürftigen nicht mehr anhand seiner Pflegestufe festgelegt, sondern je Pflegeeinrichtung einheitlich berechnet. Zu einem Kostentreiber entwickele sich wohl auch die gerade angelaufenen „Konzertierten Aktion“ der drei Bundesministerien für Gesundheit, Arbeit und Familien. Eine wichtige Maßnahme der Aktion ist die Anhebung des Lohnniveaus in der Pflege. „Natürlich ist eine markt- und leistungsgerechte Bezahlung wichtig“, so Kochskämper. „Aber es gibt andere Stellschrauben.“ So müsse es zum Beispiel möglich sein, dass eine Fachkraft eine Hilfskraft anleite.

Nicht mehr tragbare Entwicklung

Auch das Wissenschaftliche Institut der Privaten Krankenversicherung, kurz WIP, sorgt sich um die Finanzierbarkeit der Sozialen Pflegeversicherung. In den nächsten zwanzig Jahren werde der Beitragssatz um knapp einen Prozentpunkt zulegen – wenn die Ausgaben im Gleichschritt mit den Einnahmen steigen und das Leistungsangebot unverändert bleibt. „2040 wären wir allein wegen des demografischen Wandels bei 4,1 Prozent“, sagt Christine Arentz, Projektleiterin beim WIP.

Bereits in diesem Szenario müsse ein im Jahr 1989 Geborener mit durchschnittlichen beitragspflichtigen Einkommen über seine gesamte Lebenszeit mehr als 38.000 Euro Beitrag zur Pflegeversicherung bezahlen. Das seien 50 Prozent mehr als bei 1966 geborenen Beitragszahlen. Sollten dagegen Ausgaben und Einnahmen wie bisher weiter auseinanderdriften, könnten die Beitragssätze in der Sozialen Pflichtversicherung im Jahr 2040 sogar zwischen 5 und 8 Prozent liegen. Das sei nicht mehr tragbar. Daher wachse das politische Risiko, dass Leistungen gekürzt werden müssen. Als Lösung schlägt das IW – analog zur Privaten Krankenversicherung – eine kapitalgedeckte Eigenanteilsversicherung als Ergänzung zur Sozialen Pflegeversicherung vor. Ob sich dafür eine politische Mehrheit findet, muss freilich bezweifelt werden.

Leistungskürzungen drohen

Damit schließt sich der Kreis zum Versicherungsmakler: Auch Leistungen sind ein zentrales Vertriebsargument. In der Gesetzlichen Krankenversicherung sind Leistungskürzungen für Politiker seit Jahrzehnten ein probates Mittel die Kostenprobleme halbwegs zu kaschieren. Die Soziale Pflegeversicherung könnte diesem schlechten Beispiel folgen. Umgekehrt sind in der Privaten Krankenversicherung und bei privaten Kranken- und Pflegezusatzpolicen die Leistungen vertraglich fixiert.

Die vollständige Version inklusive Zusatzmaterial lesen Sie in der Print-Ausgabe 01/2020 der procontra.

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