Pflege-Eigenanteile sind durch die Decke gegangen

Berater Versicherungen Top News von STEFAN TERLIESNER

Pflegebedürftige oder ihre Angehörigen müssen einen Großteil der Heimkosten selbst tragen. Diese privaten Pflegekosten steigen rasant. Auf Dauer ist das nicht haltbar.

Viele Menschen können sich die hohen Eigenanteile im Pflegebereich nicht mehr leisten.

Viele Menschen können sich die hohen Eigenanteile im Pflegebereich nicht mehr leisten. Illustration: Roman Kulon

Die Höhe des Eigenanteils in der Sozialen Pflegeversicherung ist ein wichtiges Vertriebsargument für Makler. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) offenbart jetzt große Kostenunterschiede in den einzelnen Bundesländern. Demnach am teuersten ist die Pflege für die Betroffenen in Baden-Württemberg. Dort mussten Pflegebedürftige im Jahr 2019 im Durchschnitt monatlich 953 Euro aus der eigenen Tasche zahlen – das waren 15 Prozent mehr als 2018. Auch in Berlin, Bayern und dem Saarland ist der Eigenanteil hoch.

Unterschiedliche Personalschlüssel

„Die Unterschiede bei den Kosten liegen zum Teil in unserer föderalen Struktur“, erklärt Susanna Kochskämper Pflegeexpertin beim IW. „Jedes Bundesland hat eigene gesetzliche Vorgaben, wie zum Beispiel eigene Personalschlüssel.“ Ein weiterer Aspekt sei die Anbieterstruktur. Kirchliche Träger zum Beispiel würden ihre Mitarbeiter tendenziell besser bezahlen. Hinzu komme der Fachkräftemangel, der in besonders betroffenen Regionen zu höheren Löhnen und Kosten führe. Jede Pflegeeinrichtung stellt ihren Bewohnern monatlich eine Rechnung: Aufgelistet sind darin der Pflegesatz, der die Pflege und die soziale Betreuung beinhaltet, die Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie die Investitionskosten, die die Heimbetreiber auf die Bewohner umlegen. Unter dem Strich ergeben sich so hohe Kosten, berichtet das IW. So seien 3.000 Euro und mehr „keine Seltenheit“.

Eigenanteil steigt seit Jahren

Zwar müsse ein Pflegebedürftiger diese Rechnung nicht gänzlich zahlen – die Soziale Pflegeversicherung übernehme nach Pflegegrad gestaffelt einen Teil der Kosten. Dennoch bleibe der Eigenanteil hoch. In den vergangenen Jahren sei er zudem deutlich gestiegen. Den stärksten Zuwachs habe das Saarland hingelegt. Zwischen 2001 und 2015 seien die privaten Pflegekosten in derselben Pflegestufe von 41 Euro auf 667 Euro monatlich gestiegen. Während Pflegebedürftige in Brandenburg und Thüringen zur Jahrtausendwende noch nichts privat zur Pflegestufe eins beisteuern mussten, zahlten sie im Jahr 2015 bereits 299 Euro und in Thüringen 110 Euro.

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