Lebensversicherung: Rechnungszins zwingt zu Garantieabbau

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Die Niedrigzinspolitik der EZB bringt die Lebensversicherung an ihre Grenzen. Sinkt der Rechnungszins 2021 auf 0,5 Prozent, kommen nennenswerte Leistungen nur noch durch Verzicht auf Garantien zustande, hat eine neue Untersuchung ergeben.

Garantien in der Lebensversicherung werden immer teurer

Die "Garantie-Torte" in der Lebensversicherung wird kleiner. Kann "neue Klassik" das auffangen? Bild: Adobe Stock/YesPhotographers

Lange haben die Lebensversicherer das Kernelement klassischer Produkte, den Risikoausgleich im Kollektiv und in der Zeit, erhalten können und dabei zu jeder Zeit eine volle Beitragsgarantie geboten. Den Trend zu reduzierten Garantien, etwa auf den Erhalt der eingezahlten Beiträge nur noch bei Ablauf des Vertrages, gibt es schon länger (procontra berichtete). Der GDV sieht die 100-Prozent-Beitragsgarantie vor allem bei Riester-Policen nicht mehr darstellbar (procontra berichtete).

Zusätzlicher Druck auf die Garantien entsteht, wenn zum 1. Januar 2021 der Höchstrechnungszins in der Lebensversicherung von aktuell 0,9 auf 0,5 Prozent abgesenkt wird, „was absehbar ist“, sagt Marc C. Glissmann, geschäftsführender Gesellschafter und Mitbegründer der Infinma Institut für Finanz-Markt-Analyse GmbH. Das Analysehaus befasst sich aus Anlass der geplanten Rechnungszinssenkung mit dem Zusammenhang von Rechnungszins, Abschlusskosten und Leistungen samt Garantie.

Ergebnis: Im Neugeschäft traditioneller Klassik-Policen kommt bei einer 100-Prozent-Beitragsgarantie am Ende nie die Summe eingezahlter Beiträge für den Kunden heraus, „auch nicht bei völligem Verzicht auf Abschlusskosten“, so Glissmann. Der Ausweg seien abgeschwächte Garantien – „vor allem bei Riester-Produkten und in der betrieblichen Altersvorsorge“.

Das Ende der 100-Prozent-Beitragsgarantie

Das illustriert Infinma am Beispiel einer gemischten Kapitalversicherung mit gleich hoher Todes- und Erlebensfallsumme. Dabei wurden sowohl der Rechnungszins als auch die eingerechneten Abschlusskosten variiert. Die eingerechneten übrigen Kosten betragen 36 Euro an Stückkosten und 4,0 Prozent Verwaltungskosten.

Bei 30.000 Euro Jahresbeitrag und 30 Jahren Laufzeit wird bei 2,0 Prozent Rechnungszins stets noch zum Ablauf mindestens die Summe der gezahlten Beiträge erreicht. Bei 1,0 Prozent und erst recht bei 0,5 Prozent Rechnungszins wird der Beitragserhalt verfehlt - auch bei 10 Promille oder noch weniger Abschlusskosten. Verträge über 2,0 Prozent Rechnungszins gibt es im Neugeschäft aber schon seit 2012 nicht mehr.

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