Interview: „Poolmarkt auf dem Weg zum Oligopol“

Berater Top News Michael Fiedler von Michael Fiedler

Ist der Zusammenschluss von Blau Direkt und WIFO Vorbote für eine Konsolidierung am Maklerpoolmarkt? Sind weitere Fusionen zu erwarten? Und was bedeutet das für Makler? Darüber sprach procontra mit Branchenexpertin Sabine Brunotte, Autorin der jährlichen Maklerpool-Studie.

Sabine Brunotte Maklerpoolstudie

Hat den Blick fest auf den Maklerpoolmarkt gerichtet: Sabine Brunotte. Bild: Brunotte-Konzept

procontra: Hat Sie der Zusammenschluss der beiden Pools überrascht?

Sabine Brunotte: Nein ­– blau direkt ist schließlich immer für eine Überraschung gut. Spaß beiseite: blau direkt und WIFO sprechen in ihren gemeinsamen Pressemitteilung von einer „organisatorischen Fusion“. Ob es sich dabei tatsächlich um eine Fusion oder eher um eine Kooperation handelt und wie weit diese reicht, bleibt offen.

procontra: Wie bewerten Sie diesen Schritt von blau direkt und WIFO?

Brunotte: Grundsätzlich sehe ich gute Argumente für eine engere Kooperation. Wie unsere aktuelle Maklerpoolstudie zeigt, setzen beide Unternehmen mit Lebens-, Kranken- und Kompositversicherungen auf dieselben Geschäftsfelder. Zusammengerechnet haben ihre 220 Beschäftigten 2018 rund 66 Millionen Euro Umsatz erzielt. Das macht sie zu einer ernstzunehmenden Größe im Markt.
blau direkt hat sich in den letzten Jahren konsequent vom Maklerpool zum Infrastrukturdienstleister entwickelt. Das finanziert man nicht allein aus der Portokasse. Es bietet sich also an, Partner ins Boot zu holen, die einen Beitrag leisten. Auch WIFO profitiert: Das Unternehmen hätte für vergleichbare Digitalisierungsfortschritte tief in die Tasche greifen müssen. Auf der Produktseite gewinnen vermutlich all jene Vermittler von blau direkt, die mehr Service in den Geschäftsfeldern Gewerbe und betriebliche Altersversorgung erhalten. Zudem ist WIFO auch als Assekuradeur unterwegs.

Poolmarkt entwickelt sich in Richtung Oligopol

procontra: Was spricht aus Ihrer Sicht für einen solchen Zusammenschluss von Pools?

Brunotte: Der Maklerpoolmarkt entwickelt sich in Richtung Oligopol. Große Maklerpools, allen voran der Marktführer Fonds Finanz, stellen zahlreiche Leistungen kostenlos bereit, zumindest auf den ersten Blick. Kleinere Pools und Dienstleister können sich das nicht leisten. Deren Vertriebspartner halten ihnen auf Dauer nur dann die Treue, wenn sie passgenaue Services zum marktfähigen Preis erhalten. Das aber klappt nur, wenn nicht jedes Unternehmen das Rad – also digitale Prozesse und leistungsfähige Services – neu erfinden muss. Gerade kleine und mittelgroße Anbieter sollten jetzt gemeinsam Stärken bündeln und gleichzeitig Schwächen kompensieren. Klar ist aber auch: Zwei Lahme, die sich zusammentun, werden noch nicht zu Sprintern.

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