Deutsche ziehen erst bei Streitwert von 1.840 Euro vor Gericht

Berater Martin Thaler

Knapp die Hälfte der Deutschen verfügt laut neuen Roland-Rechtschutzbericht über eine Rechtsschutzversicherung. Warum das Absatzpotenzial für Makler weiter hoch ist.

Viele Deutsche haben Rechtsschutzversicherung

Über die Hälfte aller Deutschen verfügt mittlerweile über eine Rechtsschutzversicherung. Bild: Adobe Stock/denissimonov

Die Deutschen haben weiterhin ein hohes Vertrauen gegenüber dem deutschen Justizsystem. Zu diesem Schluss kommt der aktuelle Rechtsschutzreport des Versicherers Roland, für den insgesamt 1.228 Personen befragt wurden: 70 Prozent der Befragten gaben an, viel Vertrauen in die Gesetze zu haben, 65 Prozent vertrauen den Gerichten.  

Was sich erst einmal positiv liest, hat auch eine negative Seite: Denn die Kritik der Deutschen an der Überlastung der Gerichte wächst seit Jahren. 85 Prozent der Bundesbürger sind mittlerweile der Auffassung, dass die Gerichtsverfahren in Deutschland zu lange dauern.  

Wenn sich Gerichtsverfahren in die Länge ziehen, steigen für die Prozessbeteiligten entsprechend die Kosten. Auch aus diesem Grund sind Rechtsschutzversicherungen in der Bevölkerung weit verbreitet. Laut Rechtsschutzreport verfügt mittlerweile knapp die Hälfte aller Deutschen über eine Rechtsschutzversicherung (49 Prozent). Damit ist die Verbreitung von Rechtsschutzversicherungen deutlich höher als beispielsweise bei Risikolebensversicherungen, über die laut Rechtsschutzreport lediglich 16 Prozent aller Befragten verfügen. Feststellbar dabei ist, dass das Vorhandensein einer Rechtsschutzpolice mit einem höheren Haushaltseinkommen steigt.  

Weiter hohes Absatzpotenzial

Trotz der relativ hohen Verbreitung scheint das Absatzpotenzial für Makler weiter hoch zu sein. Jeder vierte befragte Bürger gab an, dass er in den vergangenen fünf Jahren Situationen erlebt habe, in denen er die Hilfe eines Rechtsanwalts gut hätte gebrauchen können, dessen Hilfe dann aber doch nicht in Anspruch genommen habe.  

Als ein Grund hierfür gelten die hohen Prozesskosten. Viele Deutschen überlegen es sich zweimal, ob ein Verfahren für sie ratsam ist und machen die Entscheidung vom Streitwert abhängig. Erst wenn dieser bei durchschnittlich 1.840 Euro liegt, ist ein Gang vor Gericht für die Deutschen das Mittel der Wahl. 2013 lag dieser Wert noch bei 1.950 Euro.   Männer zeigen sich in dieser Hinsicht zurückhaltender als Frauen. Während diese bereits bei einem durchschnittlichen Streitwert von 1.400 Euro vor Gericht ziehen würden, liegt die „Schmerzgrenze“ bei Männer mit 2.200 Euro deutlich drüber.

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare