BU: Eine Frage der Organisation?

Versicherungen von CARLA FRITZ

Kann der Betriebsinhaber auch mit gesundheitlichem Handicap weiter im Betrieb arbeiten, wenn er ihn umorganisiert? Oft die alles entscheidende Frage für eine BU-Rente. Neuerdings wird sie von den Anbietern nicht mehr durchgängig gestellt – zum Vorteil kleiner Betriebe.

Die Umorganisationsklausel ist ein Knackpunkt in den BU-Verträgen für Selbstständige.

Die Umorganisationsklausel ist ein Knackpunkt in den BU-Verträgen für Selbstständige. Illustration: Roman Kulon

Die Umorganisationsklausel ist ein Knackpunkt in den BU-Verträgen für Selbstständige. Danach ist der Unternehmer verpflichtet, den Betrieb auf eigene zumutbare Kosten umzugestalten, damit er auch mit gesundheitlichem Handicap zu mehr als 50 Prozent dort in einer angemessenen Position weiterarbeiten kann. So steht es sinngemäß in der Regel im Kleingedruckten. Damit steht und fällt zugleich die Berufsunfähigkeitsrente.

Nur wenn die Umorganisation aus wirtschaftlichen Gründen nicht zumutbar sein sollte, gibt es grünes Licht für die BU-Rente. Längst nicht jeder Anbieter definiert das allerdings in genauen Grenzen. Das führe in der Praxis dann nicht selten zur Überforderung des Selbstständigen und die Beteiligten vor Gericht, so der BU-Sachverständige Bert Heidekamp aus Berlin. Was da unter Umständen verlangt werde, grenze teils an wirtschaftlichen Unsinn, bestätigt Brigitte Mayer von der Verbraucherzentrale Hessen.

Wo sich die Spreu vom Weizen trennt

„Wenn die Umorganisation mehr als 20 Prozent des Betriebsgewinns schluckt, gilt das in guten Verträgen als nicht zumutbar“, so die Verbraucherschützerin. „Das muss der Unternehmer dann aber auch beweisen können. Dazu braucht er eine ordentliche Buchhaltung. Und er muss dann auch anhand von Zahlen belegen können, wie teuer es wird, Teile seiner Arbeitskraft zu ersetzen.“ Je konkreter die Klausel, umso besser: Die Einkommensminderung sollte sich auf 20 Prozent vor Steuern beziehen, so dass beispielsweise Vorsorgeaufwendungen einbezogen sind, empfiehlt Heidekamp.

Bei kleineren Betrieben lohne sich eine Um- organisation erfahrungsgemäß häufig nicht, so Mayer. Hier lassen aber inzwischen relativ viele Versicherer in den Premiumtarifen Ausnahmen zu, unter anderem Alte Leipziger, die Bayerische, Allianz und Swiss Life. Danach ist eine Umorganisation nicht zumutbar, wenn der Betrieb weniger als fünf Mitarbeiter hat. Oder wenn der Betriebsinhaber über eine akademische Ausbildung verfügt und zu 90 Prozent kaufmännisch oder verwaltend tätig ist; hier spielt dann die Mitarbeiterzahl keine Rolle. Was passt am besten auf welchen Betrieb – das wäre dann die Frage, die von Fall zu Fall zu klären ist.

„Es lohnt sich, diese Klauseln näher anzuschauen – weil da im Moment sehr viel Musik drin ist“, befindet die Verbraucherschützerin aus Hessen. Vor allem in den letzten anderthalb Jahren hat sich nach ihrer Beobachtung hier einiges getan. Zwei Anbieter – Condor und R+V – verzichten demnach auch bei Betrieben mit weniger als zehn Mitarbeitern auf die Pflicht zur Umorganisation. „Das Beste, was man in dieser Hinsicht derzeit am Markt findet“, so Mayer. Der Tarif dieser Gesellschaften gehöre von den Bedingungen her durchaus zum oberen Drittel, allerdings auch im Preis. Unter diesen Aspekten müsse der Inhaber das Potenzial des eigenen Betriebs sehr gut kennen und abwägen: Wie könnte dieser weiterwachsen?

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