Brexit: Was sich für Versicherte wann ändert

Versicherungen von Florian Burghardt

Der EU-Austritt Großbritanniens ist vollzogen. Wie sich der Brexit während und nach der 11-monatigen Übergangsphase auf Versicherte und ihre Policen auswirken wird, weiß man beim GDV.

Der Brexit bringt auch manche Änderungen für Versicherte mit sich.

Der Brexit bringt auch manche Änderungen für Versicherte mit sich. Bild: Adobe Stock/Delphotostock

Mit dem Tagesausklang des 31. Januar 2020 ist Großbritannien offiziell aus der Europäischen Union ausgetreten. Neben Politik und Handel ist auch die Versicherungs- und Finanzdienstleistungsbranche vom Brexit betroffen, wie von procontra in den vergangenen Monaten immer wieder berichtet wurde.

Auch beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) betrachtet man das Ausscheiden der Briten aus der EU mit einer gewissen Sorge. So sagte GDV-Chefvolkswirt Klaus Wiener: „In vielen Fragen zum Thema Finanzdienstleitungen waren die Vertreter Großbritanniens wichtige Impulsgeber, immer mit einem Blick für marktwirtschaftliche Lösungen.“ Als Beispiel nannte er das Eigenkapitalregime Solvency II, das auch auf eine konsequente Positionierung der Briten zurückzuführen sei.

Nächster Meilenstein ab 2021

Allerdings erklärte Wiener auch, dass der Brexit für Versicherte kaum Auswirkungen mitbringt. Zumindest bis zum Ende des vereinbarten Übergangszeitraums. Dieser läuft am 31. Dezember aus. Aus Sicht des Gesamtverbandes gibt es danach nur zwei wesentliche Änderungen für die Versicherten:

  • Lebensversicherer mit Sitz in Großbritannien müssen ab nächstem Jahr nicht mehr die in der EU geltenden Regeln einhalten. Damit sich für deren deutsche Kunden beziehungsweise Kunden aus EU-Ländern aber nichts ändert, haben die meisten britischen Lebensversicherer solche Verträge aber längst auf Tochtergesellschaften in EU-Mitgliedsstaaten übertragen, so zum Beispiel auch die Standard Life nach Irland. Im Umkehrschluss haben deutsche Lebensversicherer, die weiter in Großbritannien Geschäft betreiben wollen, dort Tochtergesellschaften oder Drittstaaten-Niederlassungen gegründet. „Nach meinem Eindruck haben alle Unternehmen die entsprechenden Vorbereitungen getroffen“, so Wiener.
  • In Deutschland Kfz-Versicherte müssen ab dem 1. Januar 2021 eine Grüne Karte mitführen, wenn sie mit ihrem Fahrzeug in Großbritannien unterwegs sind. Denn nach Ablauf der Übergangsfrist wird der Kfz-Haftpflichtversicherungsschutz nicht mehr über das Kennzeichen nachgewiesen. Die Grüne Karte können Autofahrer kostenlos bei ihrem Kfz-Versicherer anfordern.

Für private Policen, wie zum Beispiel die Haftpflicht- oder die Unfallversicherung sieht der GDV keine Auswirkungen, auch über das Ende des Übergangszeitraums hinaus. Um Klarheit über den „räumlichen Geltungsbereich“ der Police zu erlangen, lohnt sich aber immer einmal mehr der Blick in die Vertragsbedingungen.

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