Droht die Gefahr einer „grünen“ Blase?

Investmentfonds Michael Fiedler

Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Grüne Geldanlagen sollen gefördert werden, das Angebot wächst und immer mehr Anleger wollen ihr Geld nachhaltig investieren. Doch führen mehr nachhaltige Geldanlagen auch zu mehr nachhaltigem Handeln?

Droht die Gefahr einer "grünen" Finanzblase?

Droht die Gefahr einer "grünen" Finanzblase? Bild: Adobestock / jyugem

Nachhaltige Geldanlagen sollen gefördert werden. Was dabei als nachhaltig gilt, wurde gerade im Rahmen der EU-Taxonomie für Nachhaltigkeit verabschiedet. So sollen Kapitalströme in nachhaltiges Wirtschaften gelenkt werden.

Einheitliche Berichterstattung nötig

Doch die Kapitalströme fließen weltweit und beschränken sich nicht auf Europa. Wenn die Klima-Ziele von Paris erreicht werden sollen, muss alle zehn Jahre der CO2-Ausstoß halbiert werden, so Allianz-Investmentchef Günther Thallinger auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Daher müsse auch der Fußabdruck des Anlageportfolios alle zehn Jahre um die Hälfte sinken. „Die Messung dafür muss einheitlich definiert werden, ein globaler Standard wäre ideal“, so der Allianz-Manager gegenüber der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. „Wir brauchen eine einheitliche Form, wie wir berichten“, sagte Thallinger. „Hier ist unsere große Hoffnung, mit Regierungen zusammenzuarbeiten und zu einer verpflichtenden Form der Berichterstattung zu kommen.“

Thallinger hält es aber nicht für zielführend, abrupt Gelder aus Branchen abzuziehen, die viele Treibhausgase emittieren. „Umschichten von Anlagegeldern allein kann nur ein extrem begrenzter Hebel sein.“ Stattdessen müsse mit den Unternehmen erarbeitet werden, wie sie selbst zum Ziel kämen. „Die gesamte Wirtschaft bewegt sich aktuell auf einem Pfad von 3,7 Grad Erderwärmung bis 2050. Es gibt heute einfach nicht genügend nachhaltige Kapitalanlagen, um komplett nur in Vermögensteile zu investieren, die dann im Ergebnis auf 1,5 Grad kommen“, sagte Thallinger weiter.

Angebot nachhaltiger ETFs wächst

Dabei legt die Branche insgesamt zu. So hat nach Angaben der Berliner Ratingagentur Scope die Anzahl der auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Exchange Traded Funds (ETF) und Indexfonds zugenommen. Aktuell stehen deutschen Anlegern 145 Investmentfonds zur Verfügung. Diese verwalten zusammen rund 39 Mrd. Euro. Noch vor wenigen Jahren waren nachhaltige Fonds vor allem im Aktienbereich präsent. Mittlerweile gibt es neben 110 Aktien-ETFs auch 35 Renten-ETFs mit Nachhaltigkeitsbezug. Allerdings, so die Berliner, hat die Wachstumsdynamik erst in den vergangenen zwei Jahren deutlich zugenommen. In dieser Zeit wurden mehr als 50 Prozent der aktuell verfügbaren Fonds aufgelegt. Derzeit offeriert iShares (BlackRock) mit 33 die meisten nachhaltig ausgerichteten ETF bzw. Indexfonds mit Vertriebszulassung in Deutschland und verwaltet mit 9,5 Mrd. Euro per Ende Oktober 2019 auch die meisten Assets in diesem Bereich. Knapp die Hälfte der von iShares angebotenen Fonds wurde erst in den vergangenen beiden Jahren aufgelegt.

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