Altersvorsorge im Niedrigzinsumfeld: neue Renditechancen für Ihre Kunden

Finanzanlagenvermittlung Berater von Stefan Terliesner

Neue Garantiemodelle müssen her

Um dem Wunsch vieler Kunden nach Sicherheit der eingezahlten Beiträge bei gleichzeitig besseren Renditechancen nachzukommen – was eigentlich ein unüberwindlicher Gegensatz ist, da höhere Chancen stets höhere Risiken bedeuten – haben die Anbieter neue Garantiekonzepte entwickelt. Grundsätzlich unterscheidet der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) zwischen vier Kategorien von Altersvorsorgeprodukten:

Typ 1: Klassische Rentenversicherungen mit Garantiezins auf Basis eines traditionellen Sicherungsvermögens. Letzteres sind die Aktiva eines Versicherers, die dazu dienen, die Ansprüche der Versicherungsnehmer im Insolvenzfall zu sicher. Dies ist das oben beschriebene Modell der Anlage in sicheren Anleihen. Es ist im Dauerzinstief für viele Kunden sowie für zahlreiche Anbieter nicht mehr attraktiv.

Typ 2: Die „Neue Klassik“, eine Rentenversicherung mit reduzierten Garantien. Letzteres sind zum Beispiel der Beitragserhalt zum Rentenbeginn, aus dem dann eine garantierte lebenslange Mindestrente ausgezahlt wird, bei gleichzeitig abgesenktem Rechnungszins und Rückkaufswerten. Die Beiträge des Kunden werden meist im Sicherungsvermögen des Versicherers angelegt. Gegebenenfalls erzielte Überschüsse investiert der Versicherer am Kapitalmarkt, zum Beispiel in Form einer Indexbeteiligung. Für diese „Neue Klassik“ wird die versicherungseigene Kapitalanlage verwendet und nicht wie – siehe Typ 3 und Typ 4 – bei fondsgebundenen Rentenversicherungen an Kapitalanlagegesellschaften oder Banken ausgelagert.

Typ 3: Fondsgebundene Rentenversicherungen mit Garantie wie Indexpolicen. Bei diesem Modell wird die in den einzelnen Jahren zufließende Überschussbeteiligung für eine Indexbeteiligung eingesetzt. Der Index ist zum Beispiel der Aktienindex Euro Stoxx 50. Es werden allerdings nicht Indexanteile gekauft, sondern Finanzderivate wie Optionen und Futures. Hieraus resultiert die Renditechance. Wie hoch die Rendite am Ende ausfällt, ist ungewiss. Am Vertragsende verfügt der Kunde aber mindestens über alle eingezahlten Beiträge. Ist die Wertentwicklung des Index negativ, verliert der Versicherungsnehmer zumindest nichts von seinem Vertragsguthaben. Allerdings ist dann die eingesetzte Überschussbeteiligung des jeweiligen Jahres futsch. Der Versicherungsnehmer erzielt in diesem Jahr also keine Rendite. Bei etlichen Indexpolicen hat der Versicherungsnehmer die Wahl, ob er die Überschüsse direkt zugeteilt bekommt oder für die Indexbeteiligung einsetzen möchte. Oft deckeln Indexpolicen die positiven monatlichen Wertentwicklungen, während die negativen Monate voll angerechnet werden. Am Ende der Ansparphase zahlt der Versicherer aus dem angesparten Guthaben eine lebenslange Rente; alternativ ist oft eine Kapitalauszahlung möglich. Insgesamt kombiniert eine Indexpolice die Chancen am Aktienmarkt mit den Sicherheitselementen einer klassischen Rentenversicherung. Indes hängt die Höhe der Überschüsse – und damit die Höhe der für die Indexbeteiligung zur Verfügung stehenden Mittel – vom Erfolg in der Kapitalanlage im Sicherungsvermögen ab. Hier machen sich niedrige Zinsen dann doch wieder negativ bemerkbar.

Typ 4: Fondsgebundene Rentenversicherungen ohne Garantie. Letztlich nutzt es alles nichts: Wer eine höhere Rendite haben möchte, muss auch bereit sein, ein höheres Risiko zu tragen. Fondspolicen ohne Garantien verzichten auf die Sicherung des Kapitals oder die Sicherung zwischenzeitlich erreichter Gewinne. Insofern fallen auch alle damit verbundenen Kosten weg. Gleichzeitig kann der Kunde meist aus einer Fülle an Investmentfonds auswählen, was theoretisch seine Renditeaussichten verbessert. Zur Wahl stehen fast immer Aktien-, Anleihe- und Mischfonds. Ohne Garantien freilich besteht auch die Gefahr, mit der Fondsanlage Verluste zu erleiden. Es ist daher wichtig, einige Jahre vor Ende der Vertragslaufzeit das Fondsvermögen in sichere Anlagen umzuschichten. Ohnehin spielt die Laufzeit eine große Rolle. Fondspolicen ohne Garantie eignen sich insbesondere für jüngere Kunden. Denn auf lange Sicht haben Anleger mit Aktienfonds bisher immer positive Erträge erzielt.

Seite 1: Kein Ende bei Niedrigzinsphase in Sicht
Seite 2: Neue Garantiemodelle müssen her

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare