Versicherungsvermittler: Schlechter Ruf, aber kaum Beschwerden

Berater von Florian Burghardt

Umfragen attestieren Versicherungsvermittlern regelmäßig ein geringes gesellschaftliches Ansehen, dabei ist Anzahl der Beschwerden über sie extrem niedrig. Ein Umstand, der auch einen möglichen LV-Provisionsdeckel weniger bedrohlich wirken lässt.

Die Beschwerdequote über Versicherungsvermittler ist aktuell wohl ein Anlass zur Freude.

Die Beschwerdequote über Versicherungsvermittler ist aktuell wohl ein Anlass zur Freude. Bild: Adobe Stock/pressmaster

Die Menschen haben sich 2019 weniger über Versicherungsvermittler beschwert. Zumindest wenn es nach dem aktuellen Tätigkeitsbericht des Versicherungsombudsmanns geht. So ist die Anzahl der bei der Schlichtungsstelle eingegangenen Beschwerdeanträge im vergangenen Kalenderjahr auf 261 gesunken. Im Jahr 2018 hatte sie noch bei 283 gelegen.

Über die Hälfte dieser 261 Fälle – nämlich 143 – mussten von Ombudsmann Wilhelm Schluckebier und seinem Team sogar als unzulässig abgewiesen werden. Die meisten Beschwerden entfielen auf die Sparte Lebensversicherung (100), gefolgt von der Berufsunfähigkeitsversicherung (22) und der Kfz-Kaskoversicherung (20). Die exakte Sparte konnte bei Erstellung des Tätigkeitsberichts in 47 Fällen noch nicht zugeordnet werden.

Einziger Wermutstropfen aus Vermittlersicht dürfte sein, dass die Anzahl der als zulässig beendeten Beschwerdefälle in 2019 gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist (2019: 115; 2018: 97). Vor dem Hintergrund von zuletzt knapp 200.000 Versicherungsvermittlern in Deutschland ergibt sich daraus eine Quote von einem Beschwerdefall auf 1.726 Vermittler. Ein Zufriedenheitswert, der die Frage aufwirft, warum Versicherungsvermittler seit Jahren zu den Berufen mit dem geringsten gesellschaftlichen Ansehen zählt. Zwar wird in den meisten Umfragen zur Beliebtheit von Berufsgruppen pauschal nur nach Versicherungsvertretern gefragt. Da diese aber über 75 Prozent aller Vermittler ausmachen, ist doch eine Tendenz für die gesamte Vermittlerschaft ablesbar.

Provisionsdeckel ohne Schrecken?

Doch ob nun Vertreter oder Makler – der Tätigkeitsbericht des Ombudsmanns ist alles andere als ein schlechtes Zeugnis für den Versicherungsvertrieb. Davon ist auch BVK-Präsident Michael H. Heinz überzeugt: „Die Zahlen der unabhängigen Schlichtungsstelle beweisen eindrucksvoll Jahr für Jahr, dass unser Berufsstand verbraucherfreundlich und fair mit den Kunden umgeht.“

Eine gute Ausgangslage, sollte es doch zum Provisionsdeckel in der Lebensversicherung kommen. Denn laut den bisherigen Plänen hierzu sollen Vermittler nur dann eine erhöhte Provision (zwischen 2,5 und 4,0 Prozent) erhalten, wenn sie gewisse Qualitätskriterien erfüllen, wozu auch eine geringe Anzahl an Kundenbeschwerden gehört. Wenn diese aber – wie es aktuell der Fall ist – gegen Null geht, müssen sich Vermittler wohl keine Sorgen machen.

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