Solvency II: GDV fordert Nachbesserungen

Versicherungen von Florian Burghardt

Die deutsche Versicherungsbranche verschenkt wirtschaftliches Potenzial. Schuld daran ist laut einer Studie die hohe Regulierungsdichte hierzulande, speziell Solvency II. Der GDV verweist auf Missstände und fordert Neuerungen am Aufsichtsregime.

Die Versicherer sollen sich mehr auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können, fordert GDV-Chefvolkswirt Dr. Klaus Wiener und fordert Nachbesserungen bei Solvency II.

Die Versicherer sollen sich mehr auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können, fordert GDV-Chefvolkswirt Dr. Klaus Wiener und fordert Nachbesserungen bei Solvency II. Bild: GDV

Deutschland kann das Potenzial seiner Wirtschaftskraft nicht ausschöpfen. Auch die Versicherer sind davon betroffen. Diese Meinung vertritt man beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Gründe dafür sind vor allem „die vielen gesetzlichen Auflagen und die hohe Regulierungsdichte“, meint Dr. Klaus Wiener.

Der Chefvolkswirt des GDV und Mitglied von dessen Geschäftsführung verweist damit auf eine verbandseigene Studie, die wiederum auf dem „Economic Freedom of the World-Index“ des kanadischen Fraser Instituts beruht. In dessen Regulierungs-Rangliste liegt Deutschland im Mittelfeld. Die vorderen Plätze belegen Honkong, Neuseeland, Singapur, die USA und Kanada.

Wenn die Bundesrepublik ein so gutes Regulierungsumfeld wie eines dieser fünf Länder gehabt hätte, so hätte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) allein im Jahr 2016 um 165 Milliarden Euro höher gelegen, rechnet die GDV-Studie vor. Im Untersuchungszeitraum 2000 bis 2016 hätte das BIP demnach hierzulande im Schnitt um 4,4 Prozent höher gelegen.

Kleine und mittelgroße Versicherer sind die Verlierer

Doch Deutschland kommt, laut Wiener, beim Bürokratieabbau kaum voran. Das gilt auch für die Arbeitsbedingungen, denen sich die Versicherungsunternehmen tagtäglich ausgesetzt sehen. Für Melde- und Dokumentationspflichten etwa würde der Aufwand in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen. Der GDV-Chefvolkswirt berichtet beispielsweise, dass ein namhafter Versicherer im ersten Halbjahr 2018 alle 2,5 Wochen eine Meldung an die Aufsichtsbehörden abgeben musste.

Ein weiteres Beispiel seien Infrastrukturinvestitionen: Statt der pauschalen Eigenmittelunterlegung dürften die Unternehmen weniger Kapital einsetzen, wenn sie das tatsächliche Risiko der Projekte ermitteln könnten. Dies sei aber mit enormen Prüf- und Überwachungspflichten verbunden. „Der damit verbundene Arbeits- und Kostenaufwand schreckt kleinere und mittlere Versicherer ab, so dass sie gar nicht in den Genuss der Kapitalerleichterungen kommen“, erklärt Wiener. So würden auch staatlich gewünschte Infrastrukturinvestitionen ausbleiben.

In den Chef-Etagen der deutschen Versicherer sind die Solvency II-bedingten Regulierungskosten schon lange ein Thema. Vor allem mit Blick auf die Datenflut der jährlichen Solvenzberichte hat der GDV bereits Vereinfachungen für seine Mitglieder gefordert. Vor dem Hintergrund von verschenktem Wirtschaftspotenzial werden diese nun erneuert. Ein guter Zeitpunkt, denn in diesem Jahr soll Solvency II überprüft werden.