Quasideckung: So hoch ist Maklers Schadenersatz

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Wird einem Makler Pflichtverletzung unterstellt, so lässt sich der Schaden seines Kunden nicht immer bestimmen. Dabei hat der Bundesgerichtshof schon vor langer Zeit die Antwort gefunden: Maßstab ist die Quasideckung. Was es damit auf sich hat.

Organisiert ein Makler löchrigen Versicherungsschutz, kann der Kunde Schadenersatz von ihm verlangen und wird so gestellt, als wäre er vollständig versichert, sagt Jens Reichow.

Organisiert ein Makler löchrigen Versicherungsschutz, kann der Kunde Schadenersatz von ihm verlangen und wird so gestellt, als wäre er vollständig versichert, sagt Jens Reichow. Bild: Jöhnke & Reichow

Scheinbar ist die Grundausstattung für kleine und mittelständische Unternehmen in Form eines Paketes aus Betriebshaftpflicht-, Inhalts- und Betriebsunterbrechungs-Versicherung ziemlich überschaubar für Vermittler. Oft steckt der Teufel aber im Detail. Die Palette der Deckungswünsche ist so vielfältig wie die wirtschaftliche Betätigung der Firmenkunden.

„Wenn man einen Betriebshaftpflichtvertrag zehn Jahre nicht mehr angefasst hat, zahlt der Kunde mit ziemlicher Sicherheit viel zu hohe Prämie und hat dennoch gravierende Lücken im Versicherungsschutz“, sagt Versicherungsmakler Peter Leibold, Inhaber Leibold Versicherungsmakler eK und spezialisiert auf Baugewerbe und Maschinenbau. Nicht selten führe die Überprüfung des Schutzes zu viel Beitragseinsparung, einer mehrfachen Versicherungssumme, umfangreicheren Leistungen und einer Besserstellungsklausel.

Doch manch Vermittler ist offensichtlich bei der Beratung von Gewerbekunden überfordert. So vermittelte ein Makler einem selbstständigen Ofenbaumeister keinen ausreichenden Versicherungsschutz. Insbesondere fehlte es an ausreichendem Deckungsumfang der Haftpflichtversicherung für die berufliche Tätigkeit des Handwerkers, die Fliesenlegerarbeiten einschließen sollte.

Weitgehende Beratungspflicht des Maklers

Kurze Zeit später kam es zu einem Schaden. Der Handwerker hatte im Keller eines Hauses für Maschinen einer Dialysepraxis ein Podest und einen Wasserablauf abgedichtet und gefliest. Später löste sich die Abdichtung und ständig trat Wasser aus, so dass der gesamte Keller unter dem Estrich ebenso wie diverse Wände und Fahrstuhlschächte durchnässt wurden.

Der Versicherer lehnte die Schadenregulierung ab. Begründung: Schäden im Zusammenhang mit Fliesenarbeiten seien vom Versicherungsschutz nicht umfasst, die Arbeiten fallen in das Risiko eines Fliesenlegerbetriebs. Daher verklagte der Handwerker seinen Makler auf Feststellung von Schadenersatz. Er habe schuldhaft versäumt, dass der Versicherungsschutz auch reine und nicht nur für als Nebenarbeiten ausgeführte Fliesenlegerarbeiten umfassen müsse (procontra berichtete).

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