PKV-Zusatz: Gesundheitsschutz ontop

Berater Pflege- und Zusatzversicherung von Martin Thaler

Wahltarife verboten

Profitieren könnten die Zusatztarife zudem noch durch ein im Sommer dieses Jahres ergangenes Urteil des Bundessozialgerichts (Az: B 1 KR 34/18). Die Kasseler Richter setzten den Schlusspunkt in einem sich über Jahre ziehenden Verfahren und legten fest: Die Gesetzlichen Krankenkassen dürfen ihren Versicherten Extraleistungen nicht als Wahltarif anbieten.

Seit der Gesundheitsreform 2007 sind die Gesetzlichen Krankenkassen dazu verpflichtet, ihren Kunden sogenannte Wahltarife auf Kostenerstattungsbasis anzubieten, bei denen die GKV-Mitglieder wie PKV-Versicherte in Vorleistung gehen. Die AOK Rheinland/ Hamburg hatte laut BSG die gesetzlichen Vorgaben allerdings zu weit ausgedehnt und bewarb in ihren Wahltarifen Extra-Leistungen wie einen erweiterten Auslandskrankenschutz, Zahnersatz oder Ein- und Zweibettzimmer.

Die Kasseler Richter stellten klar, dass die Gesetzlichen Krankenkassen mit solchen Angeboten unerlaubt in Konkurrenz zu den privaten Anbietern treten würden. „Diese Wahltarife in der GKV hatten zu unzulässigen Wettbewerbsverzerrungen geführt. Deren Wegfall dürfte das ohnehin stetige Wachstum der privaten Zusatzversicherung weiter verstärken“, begrüßte Stefan Reker, Pressesprecher des Verbands der Privaten Krankenversicherer, das Kasseler Urteil.

Doch schon heute drängen die Versicherer mit immer neuen Produkten und Leistungen auf den Markt – auch, um in den Onlineportalen die oberen Plätze zu erklimmen, glaubt Oliver Fink, Geschäftsführer des Softwarehauses ObjectiveIT. „Ob sinnvolle Leistung oder Marketinggag – als Ergebnis haben wir einen inflationären Anstieg von Produkten und den darin (nicht) enthaltenen Versicherungsleistungen.“

Hilfestellung

Makler müssen in diesem Überfluss den Überblick behalten – und aufgrund der relativ geringeren Provisionen für straffe Strukturen in der Beratung und beim Vertragsabschluss sorgen. Hier helfen Vergleichsprogramme wie das von ObjectiveIT entwickelte Levelnine unter anderem mit Bedingungsassistenten. „Suche ich für meinen Kunden z.B. eine Versicherung für die Erstattung von Zahnspangen, prüft Levelnine mit einem Klick alle Tarife auf fast zwanzig relevante Kriterien“, erklärt Fink. Zudem seien Risikovoranfragen als auch Vertragsabschlüsse aus dem Vergleichsprogramm heraus möglich.

Trotz technischer Unterstützung kommen Makler am entsprechenden Fachwissen nicht vorbei, wenn sie sich langfristig gegen Online-Vergleichsportale durchsetzen möchten, ist Fink überzeugt: „Wenn ich meinem Kunden an realen Beispielen aufzeigen kann, wo eine Beratung über das Internet Fallstricke bietet, kann ich mich als Experte etablieren.“

Hinweis: Der Text erschien zuerst in der Printausgabe der procontra 06/2019.

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