Pflegetagegeld: Wie Finanztest Angebote passend macht

Berater Versicherungen Top News von Detlef Pohl

Finanztest hat den Markt der Pflegetagegeldversicherungen einer empirischen Untersuchung unterzogen. Die kann nicht ohne kritischen Kommentar bleiben. Berater sollten stärker auf die Bedingungen achten.

Pflegetagegeld: Finanztest hat getestet

Finanztest hat Pflegetagegeld-Tarife getestet. Aber gab es auch Grund zum Jubeln? Bild: Adobe Stock/oneinchpunch

Die Folgen der niedrigen Zinsen erreichen auch die private Kranken- und Pflegeversicherung. Jahrelang hatten PKV-Anbieter damit geworben, dass ihre Pflegegeldabsicherung wesentlich preisgünstiger sei als die Pflegerenten der Lebensversicherer. Was selten zur Sprache kam, ist die Tatsache, dass neben Wartezeiten auch Beitragserhöhungen möglich sind.

Dies geschieht immer dann, wenn zwischen Kosten und Leistungen bzw. Sterbewahrscheinlichkeiten von einem Jahr zum anderen zehn Prozent oder mehr Abweichung auftritt. Niedrige Zinsen bringen weniger Überschüsse am Kapitalmarkt. Solche Löcher müssen die Kunden stopfen. Makler müssen sich im Zweifel fragen lassen, warum sie keinen finanzstärkeren Anbieter ausgewählt haben.

Solche Feinheiten berücksichtigt der neue Test zu Pflegetagegeldversicherungen von Finanztest (Ausgabe 02/2020) nicht. An einer Stelle wird lediglich auf „regelmäßig steigende Beiträge“ hingewiesen. Die Untersuchung ist rein empirisch und geht bei zwei Modellkunden im Alter von 45 und 55 Jahren mit einem Monatsbeitrag von 57 beziehungsweise 89 Euro aus, der ungefähr die Versorgungslücken der gesetzlichen Pflegeversicherung decken soll. Die Lücken bemisst Finanztest in der ambulanten Pflege je nach Pflegegrad zwischen 125 und 2.200 Euro pro Monat, in der stationären Pflege von konstant 1.500 Euro.

Viele komplizierte Modellfälle...

Das klingt auf den ersten Blick plausibel, zumal der Pflegezusatz sinnvoll ist (procontra berichtete) und die Deutschen laut Umfrage im Schnitt 77 Euro für ihre Pflege zusätzlich im Monat investieren würden (procontra berichtete). Doch um die Feinheiten von 23 Tarifen mit festgelegter Leistung in jedem der fünf Pflegegrade und in jeder Pflegesituation sowie von zehn Tarifen mit flexibel gestaltbarer Leistungsverteilung auf die fünf Pflegegrade genauer zu messen, mussten dafür wiederum noch je drei Modelle kreiert werden.

Beispiel ambulante Pflege: In Modell 1 gibt es mit jedem höheren Pflegegrad mehr Geld („Treppe-Treppe“), in Modell 2 steigt die Leistung ambulant mit jedem Grad, stationär bleibt sie ab Pflegegrad 2 konstant („Treppe-Konstant“). In Modell 3 sind ambulant und stationär mindestens ab Pflegegrad 2 konstante Leistungen vereinbart („Konstant-Konstant“). Der Grund für vielfach konstante Leistungen bei stationärer Pflege: Im Heim müssen Pflegebedürftige in den Pflegegraden 2 bis 5 einen gleich hohen Eigenanteil bezahlen.

… aber nur grober Bedingungstest

Im Gegensatz zu dieser unübersichtlichen Modell-Methodik ist die Test-Methode eher schlicht und damit kritikanfällig. In das Qualitätsurteil geht das Leistungsniveau der Tarife zu 80 Prozent ein, zu 20 Prozent die weiteren Vertragsbedingungen. Positiv wurde dabei angemerkt, dass „fast alle Unternehmen auf die Wartezeit von bis zu drei Jahren verzichten“. Welche das nicht tun, geht aus den Ergebnissen nicht hervor. Die „weiteren Vertragsbedingungen“ werden nur summarisch als eine Art Schulnote vergeben.

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