Mitwirkungsanteil bei Stromschlag?

Berater Recht & Haftung von Michael Fiedler

Arbeitsunfall oder nicht? Laut Medienberichten verweigert ein privater Unfallversicherer Zahlungen und begründet das damit, dass kein Arbeitsunfall vorliegen würde. Was wirklich dahinter steckt.

Mitwirkungsanteil bei der privaten Unfallversicherung

Ein Elektriker erlitt einen Stromschlag. Doch kann eine private Unfallversicherung wirklich mit dem Argument verweigern, dass es sich nicht um einen Arbeitsunfall handelte? Bild: Adobe Stock/Uzfoto

Ob Westdeutsche Zeitung, Tag24 oder der Newsbereich von Web.de: Sie alle berichten über den Fall eines Elektrikers, der sich mit seiner privaten Unfallversicherung über Zahlungen streitet. Grund: Er überlebte nur knapp einen Stromschlag. Bei Wartungsarbeiten im Rechenzentrum einer Bank wurde der heute 59-Jährige von einem 20.000 Volt-Stromschlag getroffen. An den Folgen leidet der Familienvater noch immer.

Anfangs habe die Unfallversicherung geleistet; später aber nicht mehr. In Medienberichten heißt es übereinstimmend, der Versicherer würde nun bestreiten, dass es sich um einen Arbeitsunfall handeln würde.
Dieses Argument kennt man – allerdings nicht von privaten, sondern von der gesetzlichen Unfallversicherung. Denn im Gegensatz zur privaten leistet die gesetzliche Unfallversicherung nur bei Arbeits- bzw. Wegeunfällen.

Streit um Mitwirkungsanteil

Richtig ist hingegen, dass sich die Beteiligten um den sogenannten Mitwirkungsanteil streiten. Der Versicherer zweifelt daran, dass die Leiden des Elektroinstallateurs sich tatsächlich auf den Unfall zurückführen lassen.

Der Versicherer argumentiert, dass die geschilderten Leiden eher Folgen des Übergewichts seien. Verhandelt wird der Fall vor dem Landgericht Düsseldorf (AZ: 9 O 196/15). Bei dem Versicherer handelt es sich um die Helvetia. Gegenüber procontra verwies Helvetia darauf, dass man sich generell nicht zu laufenden Verfahren äußert.

Versicherungsvermittler sollten ihre Kunden darauf hinweisen, dass es für einen privaten Unfallversicherer nicht entscheidend ist, ob es sich um einen Arbeitsunfall handelte oder nicht. Zudem sind auch Unfalltarife erhältlich, die ganz auf die Anrechnung eines Mitwirkungsanteils verzichten.

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