LV: Ein Run-off macht noch keinen Storno

Versicherungen von Florian Burghardt

Der Verkauf der Generali Leben hat die Gemüter erhitzt. Muss der neue Eigentümer Viridium deshalb mit einer Flut von Kündigungen rechnen? Eine Studie hat sich das Verhalten der Inhaber von Run-off-Policen genau angesehen.

Mit der Übernahme der rund 4 Millionen Generali-Policen durch die Viridium-Gruppe hat sich der Bestand von Lebensversicherungen im externen Run-off auf einen Schlag mehr als verdreifacht.

Mit der Übernahme der rund 4 Millionen Generali-Policen durch die Viridium-Gruppe hat sich der Bestand von Lebensversicherungen im externen Run-off auf einen Schlag mehr als verdreifacht. Bild: Viridium-Gruppe

„Wir wissen: Alle gucken auf uns.“ Mit diesen Worten wurde gestern Viridium-Chef Heinz-Peter Roß im Handelsblatt zitiert. Unter dem thematischen Aspekt des Run-offs ist seine Einschätzung vermutlich richtig. Denn die Übernahme von rund 4 Millionen klassischen Lebensversicherungsverträgen von der Generali Lebensversicherung war schon lange bevor die BaFin den Deal im April 2019 genehmigte, eines der großen Gesprächsthemen in der Branche. Auch lange danach erhitzt der „Verkauf des Kundenvertrauens in eine Marke“ noch die Gemüter.

Wie das Handelsblatt weiter berichtet, sei die organisatorische Integration der Generali Leben inzwischen weitgehend abgeschlossen. Im Februar sollen nun die Finanzsysteme angebunden werden, die wiederum Voraussetzung seien für die technische Integration der Verträge.

Kommt eine Kündigungsflut?

Und was folgt dann? So mancher in der Branche geht von einer Kündigungsflut aus, die die Proxalto Lebensversicherung AG – diese Gesellschaft wird innerhalb der Viridium-Gruppe die früheren Generali-Verträge abwickeln – erreichen könnte. Auch deshalb, weil diese für das Jahr 2020 mit 1,25 Prozent die geringste laufende Verzinsung aller deutschen Lebensversicherer deklariert hat.

Aus statistischer Sicht ist es hingegen sehr wahrscheinlich, dass die früheren Generali- und heutigen Proxalto-Kunden ihre Vertragslaufzeit auch beim neuen Anbieter absitzen werden. Dieser Trend lässt sich zumindest aus der Studie „Run-off in der Lebensversicherung 2019“ ablesen. Die Studienautoren von der Kölner Rating-Agentur Assekurata haben dafür die Stornoquote des gesamten Lebensversicherungsmarktes (Geschäftsjahre 2009 bis einschließlich 2018) mit einer Vergleichsgruppe von Run-off-Gesellschaften (Athora, Entis, Frankfurter Leben, Heidelberger Leben, Skandia, Victoria) verglichen.

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