Healthcare-Investments: Wohltuende Arznei, statt Placebo

Investmentfonds von Stefan Terliesner

Immer wieder sorgen Übernahmen von Pharmakonzernen für heftige Kurssprünge bei Biotech-Firmen. Doch für ein Investment in die Health Care-Branche sprechen auch langfristig gute Gründe.

Wachstumschancen im Gesundheitsmarkt - Wie man davon profitieren kann

Im Gesundheitsbereich bieten sich viele Wachstumschancen. Bild: Adobe Stock/Viacheslav Iakobchuk

„Healthineers begeistert Anleger“, titelten Zeitungen im November. Gemeint war der Medizintechnikanbieter Siemens Healthineers, der gerade solide Zahlen veröffentlicht hatte und für die Zukunft weiterhin profitables Wachstum versprach. Der Aktienkurs sprang daraufhin um fast zehn Prozent in die Höhe. Rezessionsängste scheint man am Konzernsitz in Erlangen nicht zu kennen; ganz im Gegensatz zur aktuellen Situation im Maschinenbau oder in der Automobilbranche.

Besser als der Gesamtmarkt

Die Schlagzeile jedenfalls lenkt den Blick auf eine Branche, die sich allen Widrigkeiten zum Trotz, auf einem stabilen Wachstumspfad befindet: Der Gesundheitssektor mit seinen Pharma-, Biotech- und Medizintechnik-Unternehmen. Der MSCI World Health Care Index lässt den MSCI World Index im Zehn-Jahres-Performancevergleich weit hinter sich: fast 100 Prozentpunkte mehr schafft der Branchenindex. Zu den Perspektiven sagt Andy Acker, Manager des Janus Henderson Global Life Science Fund: „Der Gesundheitssektor profitiert von einer Reihe attraktiver Wachstumsgelegenheiten.“

Tatsächlich ist das Thema vor allem aus drei Gründen spannend für Anleger. Erstens: in der Branche grassiert das Übernahmefieber. Gerade erst wieder hat der belgische Arzneimittelhersteller UCB die Übernahme des US-Unternehmens RA Pharmaceutical für 2,5 Milliarden Euro angekündigt. Und im Sommer legte der US-Konzern Abbvie für Allergan sagenhafte 83 Milliarden Dollar auf den Tisch.

Kampf gegen Krebs

Allergan ist für neurotoxische Protein Botox bekannt, dass auch in der kosmetischen Medizin eingesetzt wird. Abgesehen haben es die „Pillendreher“ aber vor allem auf „Blockbuster“, also Milliarden Euro Umsatzbringer wie zum Beispiel ein wirksames Medikament gegen Krebs. In den Industriestaaten ist die bösartige Gewebeneubildung eine der häufigsten Todesursachen. Ein Unternehmen, das als erstes ein Heilmittel gegen Krebs auf den Markt bringt, wird mehr als nur ein Blockbuster werden. Da auch etliche kleinere Firmen in diese Richtung forschen, sind weitere Übernahmemeldungen wahrscheinlich.

Ein zweiter Grund für Investments in Health Care-Aktien ist ihr defensiver Charakter. Für Gesundheit geben die Menschen immer Geld aus. Wenn an den Börsen wie derzeit die politischen Risiken zunehmen sind Pharma- und Medizintechnik-Papiere besonders interessant. Dies gilt umso mehr, wenn sich auch noch die weltweite Konjunktur abkühlt. Sollten in naher Zukunft überraschend schwache Wirtschaftsdaten aus den USA oder China eintreffen, müsste die Wachstumsprognose nach unten korrigiert werden. Für den Kurssprung bei Siemens Healthineers sorgte vor allem die Erkenntnis bei Investoren, dass für Medizintechnik und Gesundheit schlicht und einfach immer Bedarf ist.

Wachsende Weltbevölkerung

Hieran schließt sich das dritte Argument für mehr Gesundheit im Depot an. In fast allen Industriestaaten wächst der Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung. Damit einher geht ein Anstieg der Gesundheitsausgaben. Ein Beispiel: Angaben des Statistikportals Destatis zufolge gab jeder Bundesbürger 2017 im Schnitt etwa 4.300 Euro für Gesundheit aus; 2005 lag dieser Betrag bei rund 3.000 Euro. In anderen Staaten ist mit einer vergleichbaren Entwicklung zu rechnen. Hinzu kommt eine stärkere Verbreitung von Volkskrankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Ohnehin ist der Nachholbedarf in Asien und Afrika enorm.

Laut Datenreport 2018 der Stiftung Weltbevölkerung hat ein heute in Westafrika geborenes Mädchen eine um 26 Jahre geringere Lebenserwartung als ein Mädchen in Westeuropa – 58 im Vergleich zu 84 Jahre. Um die Lage zu verbessern plädiert die Stiftung für eine Förderung der Gesundheitsvorsorge. Nicht wenige Beobachter halten das Thema Health Care daher für einen Megatrend, also keine Modeerscheinung, sondern eine auf alle Bereiche – Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und Kultur – wirkende anhaltende Entwicklung. Anleger können über Fondsinvestments daran teilhaben.

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