GKV: Wagniskapital nun möglich

Versicherungen Top News von Michael Fiedler

Das duale Gesundheitssystem aus GKV und PKV in Deutschland ist eine Grundfeste. Wie diese zur europäischen Selbstbehauptung beitragen kann, erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Dabei wurde auch ein Venture Capital-Fonds für Innovationen im Gesundheitssektor vorgestellt.

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Begrüßte die Schaffung eines Venture Capital-Fonds: Bundesgesundheitsminsiter Jens Spahn Bild: Fiedler / procontra

Auslaufende Förderung und hohe regulatorische Anforderungen, die sich mitunter ändern... so lassen sich Bremsklotze für Start-Ups treffend beschreiben. Nicht nur im Gesundheitsbereich. Doch dort soll sich zumindest die Frage der Finanzierung einfacher beantworten lassen. Mittel dafür stellt der „Heal Capital“-Fonds bereit, der vom Verband der Privaten Krankenversicherungen ins Leben gerufen wurde. Eingesammelt wurden seit Zeichnungsbeginn im September/Oktober 2019 etwa 80 Mio. Euro. Die selbstgesteckte Zielmarke von 100 Millionen ist also schon in Sichtweite. Durchaus ein Erfolg, wie auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am vergangenen Mittwoch in Berlin befand. „Ein erster Schritt ist gemacht, um die Digitalisierung des Gesundheitswesens nicht als Bedrohung zu betrachten, sondern Lust zu wecken, sie mitzugestalten“, so Spahn beim „Themen-Lunch“ des PKV-Verbands.

Der neue Fonds soll Unternehmen unterstützen, die innovative Entwicklungen für den Gesundheitsmarkt bereitstellen. Warum es dazu einen neugeründeten Fonds braucht, begründet Dr. Christian Weiß, der den Fonds managen wird, so: „Vielen Investoren fehlt es an Grundverständnis im Gesundheitswesen. Es bedarf dedizierter Investmentstrategie und Branchenexpertise.“

GKVen dürfen in Fonds investieren

Über solche Expertise verfügen auch die gesetzlichen Kostenträger. Und auch sie können nun Venture Capital zur Verfügung stellen. „Die Anlageklasse Wagniskapital kann ein attraktiver Teil der Risikostreuung sein, auch für Gesetzliche Krankenkassen, die jetzt in Fonds investieren dürfen“, so Spahn am Mittwoch.

„Neutralität ist wichtig“

Welche Vorteile ein solcher Fonds mit sich bringt, schilderte Katharina Jünger, Gründerin von Teleclinic. Das Unternehmen hat bereits erste Videosprechstunden abrechnen können und plant, Telemedizin für jeden Versicherten anzubieten. Aus Jüngers Sicht ist die Neutralität des Fonds ein wichtiger Vorteil. Andernfalls würde man Gefahr laufen, durch das direkte Engagement eines Unternehmens dessen Wettbewerber zu verschrecken.

Selbstbehauptung und Vorbildcharakter

Gelingt es, mit dem „Heal Capital“-Fonds eine Erfolgsgeschichte zu schreiben, könne der Fonds durchaus Vorbildcharakter haben, so Spahn. Ob der ambitionierte CDU-Politiker dabei auch an die Altersvorsorge-Debatte gedacht hat, blieb offen.
In Sachen E-Akte, die sich zum „Berliner Flughafen des Gesundheitswesens“ entwickelt habe, zeigte Spahn Startup-Mentalität: Zum (nun) geplanten Start 2021 werde die E-Akte noch nicht perfekt sein, so der Minister.

E-Akte und Heal Capital sieht Spahn auch als Instrumente der Selbstbehauptung Europas. Diese sei nötig, um sich gegen den Überwachungskapitalismus amerikanischer Prägung als auch gegen die staatliche Überwachung wie in China abzugrenzen.

Um wichtiges Vertrauen der Bürger zu gewinnen, sollte ein Grundrecht auf digitale Identität geschaffen werden, forderte Spahn. Doppelte Angaben gegenüber Behörden könnten so reduziert werden.

Mehr Solidarität wagen!

Solidarität ist keine Einbahnstraße, weiß auch Minister Spahn und regte eine Änderung der Debatte in Deutschland an. Es sollte zumindest diskutiert werden, ob es nicht auch ein Stück weit Pflicht sei, zur Verbesserung des Systems beizutragen.
Spahns Bemerkung zielte dabei nicht nur auf Einverständniserklärungen zum Datenaustausch. Auch sein Vorschlag zur Organspende lässt sich in diesem Zusammenhang sehen. Doch der Spahn-Vorschlag wurde am Donnerstag im Bundestag abgelehnt. Stattdessen setzte sich der Vorschlag der Grünen durch. Der beinhaltet vor allem Aufklärung; sieht aber weiterhin keine Pflicht zur Organspende vor.

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