Finanzbildung mangelhaft

Berater von Michael Fiedler

Wenn Erklärungsnot und Vorsorge-Notwendigkeit aufeinandertreffen, kann es sich um eine "verheerende Kombination" handeln. Wie schlecht es um die Finanzbildung in Deutschland bestellt ist und welche Folgen das hat.

Mangelhaft: Das Finanzwissen der Deutschen

Deutsche brauchen Nachhilfe in Sachen Finanzen. Wie nötig das ist, und welche Folgen jetzt schon absehbar sind. Bild: Adobe Stock/tiero

Dass die Deutschen in Sachen Finanzbildung Nachhilfe gut gebrauchen können, ist keine neue Erkenntnis. Neu ist allerdings, in welchem Ausmaß sich dieser Nachholbedarf bemerkbar macht. Deutlich wird das beispielsweise anhand einer YouGov-Erhebung im Auftrag der LV 1871.

Anlass für die bevölkerungsrepräsentative Befragung war der Internationale Tag der Bildung, der auch in der Wochenend-Ausgabe des procontra-Newsletters thematisiert wurde.
Weil im vergangenen Jahr das Kultusministerium den Teil zum Finanzwissen im deutschen PISA-Test gestrichen hat, griff man das PISA-Fragendesign auf und befragte statt Schülern Erwachsene (Ergebnisse siehe Grafik).

„Die Ergebnisse unserer Umfrage sind beunruhigend: Rund jeder vierte Deutsche kann wichtige Finanzbegriffe nicht erklären. Gleichzeitig ist die private Vorsorge so wichtig wie nie. Diese Kombination ist verheerend. Es überrascht nicht, dass 37 Prozent der Befragten glauben, dass sie vor allem bei klassischen Geldanlage-Produkten Zinsen bekommen. Finanzen sind nicht das Lieblingsthema der Deutschen, müssen es aber werden. Unabhängige Beratung ist der Schlüssel dazu“, kommentiert Hermann Schrögenauer, Vertriebsvorstand der LV 1871.

Schulfach Finanzen?

Auch auf dem Facebook-Account von procontra wurden die Studienergebnisse diskutiert. So sprach sich beispielsweise Frank Renda für die Einführung des Schulfachs Finanzen aus. Es fehle an Aufklärung in Sachen Finanzen.

Doch an den Schulen fehlt es an an ökonomischen Unterrichtsinhalten und ausgebildeten Lehrern, stellte jüngst Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, gegenüber der Nachrichtenagentur dpa fest.

Externe Experten könnten diese Lücke füllen; doch wer soll es machen? Nicht nur Verbraucherschützer sind da skeptisch und warnen davor, dass Lerninhalte womöglich nicht objektiv dargestellt würden, weil die Wirtschaftsakteure Eigeninteressen verfolgen könnten.

Formal gesehen, wären Versicherungsmakler oder Versicherungsberater gut dafür geeignet, denn Makler sind Sachwalter des Kunden und dessen Interessen verpflichtet.
Nötig wäre es allemal. Denn während sich trefflich um Eigeninteressen hier wie dort streiten lässt, werden die Folgen der mangelhaften Finanzbildung in Deutschland immer deutlicher. So ergab eine Auswertung von Creditreform, dass jeder siebte Deutsche unter 30 Jahren überschuldet ist. Geld wird für Handyverträge oder Konsum-Kredite ausgegeben, die im Niedrigzinsumfeld locken. Geld, das dringend für Vermögensaufbau und zusätzliche private Vorsorge benötigt wird, geht so verloren.

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare