Eiopa: Stresstest geht bei Betriebsrente ins Leere

Berater Versicherungen Top News von Detlef Pohl

Die Europäische Versicherungsaufsicht hat kürzlich Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung (EbAV) einem Stresstest unterzogen. Zum einen mussten zu wenige Einrichtungen mitmachen, zum anderen führen die Ergebnisse in die Irre.

Eiopa-Stresstests für EbAV haben weder praktische noch rechtliche Relevanz und auch keine aufsichtsrechtlichen Konsequenzen für die einzelne Einrichtung, sagt Aba-Vorstandschef Georg Thurnes. Bild: Pohl

Am 17. Dezember 2019 hat die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (Eiopa) den Ergebnisbericht des Eiopa-Stresstests für Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung (EbAV) veröffentlicht. Beim Test, der im Sommer 2019 stattfand, wurden insgesamt 176 Einrichtungen aus 19 Ländern unter die Lupe genommen. Die britischen Anbieter fehlten wegen des angekündigten Brexits.

Aus Deutschland mussten 18 Pensionskassen und Pensionsfonds teilnehmen, darunter die Allianz Pensionskasse (PK), Bayer PK, BASF PK, Bosch Pensionsfonds (PF), BVV, Daimler PF, Ergo PK, IBM PF, LV 1871 PF, Degussa PK und RWE PF.

Das Szenario simuliert fallende Marktwerte der Kapitalanlagen bei steigenden risikolosen Zinssätzen. Demnach würde auf einen Schlag ein Viertel des kompletten Anlagevermögens Fehlen - 270 Milliarden Euro. Der Stresstest wurde auf Grundlage einer von der Eiopa entwickelten europaweit einheitlichen, markt-konsistenten Bewertungsmethodik durchgeführt.

„Die jetzigen Ergebnisse decken sich grundsätzlich mit den Ergebnissen der vorhergehenden Eiopa-Stresstests und sind daher keine Überraschung“, sagt Dr. Georg Thurnes, Vorstandsvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung (Aba). Thurnes geht wie schon beim Stresstest 2015 oder dem Stresstest 2017 hart mit Eiopa ins Gericht.

Ohne aufsichtsrechtliche Konsequenzen

„Eiopa-Stresstests für EbAV haben – im Gegensatz zu dem ebenfalls von allen Pensionskassen und Pensionsfonds regelmäßig durchzuführenden BaFin-Stresstest – allein eine makroökonomische Bedeutung“, sagt Thurnes. „Sie haben weder eine praktische Relevanz, insbesondere nicht für die Steuerung der EbAV, noch eine rechtliche. Vor allem haben sie keine aufsichtsrechtlichen Konsequenzen für die einzelne Einrichtung“, stellte der Experte klar.

Die zentralen Methoden und Annahmen sind laut Aba zur Beurteilung deutscher EbAV ungeeignet. Das gilt insbesondere für die Stresstestvariante im sogenannten Gemeinsamen Aufsichtsrahmen (Common Framework). Diese von Eiopa unterstützte Methodik ist stark umstritten. Die Aba hält dies für nicht sachgerecht und hatte dies in einem Positionspapier zum Common Framework, den Eiopa als EU-Standard einführen will, begründet.

Seite 1: Kritik an Alarmismus der Eiopa
Seite 2: Warum hiesige Rahmenbedingnugen gut sind

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