Dialog irritiert Bestandskunden und bessert nach

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Beanstandetes Hinweisblatt soll nicht mehr verschickt werden

Auf nochmalige Nachfrage von procontra online präzisierte Stachon: „Wir werden das Hinweisblatt nicht mehr verwenden.“ Missverständliche oder gar irreführende Hinweise seien keinesfalls beabsichtigt gewesen. „Selbstverständlich wurden und werden Kunden mit Altverträgen auch zu keinem Zeitpunkt in Schadenfällen oder sonst in irgendeiner Form benachteiligt“, so Stachon auf Nachfrage weiter.

Die Dialog nennt in dem Nachtrag zum Versicherungsschein auch die Möglichkeit der Kündigung bei Verletzung vertraglicher Obliegenheiten des Kunden, obwohl der BGH im genannten Urteil keinerlei negative Konsequenzen für Kunden selbst bei vorsätzlichen Obliegenheitsverletzungen sieht. Wie verträgt sich das? „Die Ausführungen zu den Obliegenheiten entsprechen der Gesetzeslage“, antworten Stachon und Sommer. Sie meinen damit die Rechtslage nach neuem VVG. Im beanstandeten Fall hat aber ein Altkunde das Hinweisblatt bekommen, dessen Vertrag nach altem VVG zu behandeln ist. „Kunden werden also weiter in die Irre geleitet, um sie im Schadenfall womöglich schlechter zu stellen“, mutmaßt Makler Otto.

Keine Pflicht zur Verhinderung des Schadenfalls

Im Absatz zu den Obliegenheitsverletzungen nach dem Versicherungsfall bezieht sich die Dialog auf Obliegenheiten, die den Eintritt des Versicherungsfalles beeinflussen. Doch gibt es überhaupt gesetzliche Obliegenheiten, die die Verhinderung des Schadenfalles zur Pflicht machen? Auch darauf antwortet der Versicherer ausweichend. Das entspreche „der Gesetzeslage und den Formulierungen des GDV“. Auf Nachfrage von procontra online räumte die Dialog nun ein, dass es keine Pflicht zur Verhinderung eines Schadenfalles gibt.

Da das kritisierte Hinweisblatt im Falle von Streitigkeiten über Schadenregulierung Altkunden wohl gute Chancen böte, auch bei Verletzung von Obliegenheiten Schadenersatz zu bekommen, verzichtet der Konzern nun darauf, es weiter zu verschicken - eine weise Entscheidung. Alles andere würde auch nicht zu dem Credo passen, das Giovanni Liverani, Vorstandsvorsitzender der Generali Deutschland, jüngst so benannte: „Fairer und partnerschaftlicher Umgang mit unseren Kunden ist eine Selbstverständlichkeit - bei der Schadenabwicklung genauso wie bei der Leistungsregulierung.”

Seite 1: Wie ein Hinweisblatt Altkunden in die Irre führt
Seite 2: Was der BGH zu "vergessener" Vertragsumstellung sagt
Seite 3: Kritische Fragen von procontra und die Reaktion

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