Dialog irritiert Bestandskunden und bessert nach

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Über 200 Versicherer und Vertriebe sind dem GDV-Verhaltenskodex für den Vertrieb beigetreten, darunter auch die Generali-Gesellschaften. Doch im Umgang mit Bestandskunden wird der Kodex mitunter auf die Probe gestellt. Die Sache ist etwas verzwickt.

Dr. David Stachon Hinweisblatt Generali Dialog

Ein Hinweisblatt der Dialog sorgte für Ärger. Wie reagiert Dr. David Stachon darauf? Bild: Generali

Der Generali-Konzern hat 2019 das Makler-Sachgeschäft von der Generali Versicherung in München auf die neu gegründete Dialog Versicherung in Augsburg übertragen. Die Dialog trat als Rechtsnachfolgerin „in alle Rechte und Pflichten bestehender Verträge sowohl mit Maklern als auch mit Kunden ein“, bestätigte Dr. David Stachon, Vorstand für Digitalisierung und unabhängige Vertriebe der Generali Deutschland.

Die Dialog übernahm offenbar eine Tradition der Generali, die sich nicht unbedingt mit dem GDV-Verhaltenskodex deckt. Einige Altkunden bekommen derzeit Post, in der es an unauffälliger Stelle mit Hinweis auf das Versicherungsvertragsgesetz (VVG) und den Vertrag des Kunden heißt: „Verletzen Sie vorsätzlich oder grob fahrlässig eine Obliegenheit, … können wir innerhalb eines Monats … den Vertrag fristlos kündigen.“


Dieser Satz stammt aus dem seit 2008 geltenden VVG. Soweit, so gut. Doch die Dialog schickt diese Post auch Kunden, deren Policen älter sind und so unter das alte VVG fallen. Man erweckt den Eindruck, dass das neue VVG auch für die älteren Bestände gilt. „Das ist eine grobe Irreführung, die den Kunden im Schadenfall schlechter stellen könnte“, ärgert sich Michael Otto, Inhaber der Otto Assekuranzmakler KG in Isernhagen.

Erst irritiert Generali Altkunden, dann die Dialog

Er hatte dieses Vorgehen schon 2014 gegenüber der Generali gerügt und sich solche Post an seine Kunden verbeten. Grund: Der Gesetzgeber hatte durch das Einführungsgesetz (EGVVG) bestimmt, dass für Altfälle noch das gesamte Jahr 2008 das alte VVG gelten sollte. Bis 30. November 2008 konnten die Versicherer zudem die AVB der Bestände an das neue VVG anpassen. „Die Generali hat diese Frist ungenutzt verstreichen lassen“, so Makler Otto, der zugleich Vorstand der Interessengemeinschaft Deutscher Versicherungsmakler (IGVM) ist.

Nun so zu tun, als hätte man die Anpassung doch vorgenommen, verstößt gegen so ziemlich jeden Grundsatz im GDV-Verhaltenskodex, an dem man die Vertriebe zwingend messen will. „Aber vor allem Kunden werden irregeführt“, so Otto. Der Grund scheint klar: Unterstellt man, dass ihre Verträge nach neuem VVG geschlossen wurden, könnten Kunden bei der Schadenregulierung schlechter gestellt werden. In Wahrheit führt die versäumte Anpassung der AVB im Generali-Konzern bis Ende November 2008 aber dazu, dass Verletzungen vertraglicher Obliegenheiten durch den Kunden am Ende ohne Sanktion bleiben.

Seite 1: Wie ein Hinweisblatt Altkunden in die Irre führt
Seite 2: Was der BGH zu "vergessener" Vertragsumstellung sagt
Seite 3: Kritische Fragen von procontra und die Reaktion

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