DAX auf Rekordhoch: Lohnt sich ein Einstieg?

Investmentfonds von Michael Fiedler

Der deutschen Aktienindex DAX erreichte letzten Freitag sein bisheriges Rekordhoch. Was heißt das für Anleger? Vorsicht an der Bahnsteigkante: Einsteigen oder lieber zurückbleiben?

Florian Uleer, Deutschland-Chef von Columbia Threadneedle, über die Ursachen des derzeitigen DAX-Rekords. Bild: Columbia Threadneedle

Mit 13.640 Punkten hatte der Deutsche Aktienindex (DAX) letzte Woche einen neuen Rekord geknackt. Auch wer in M-DAX, Tec-DAX oder auch im Dow Jones investiert war, durfte sich steigender Kurse freuen. Doch was macht man, wenn man derzeit noch nicht investiert ist? Hier konkurrieren zwei Börsenweisheiten miteinander: Die einen halten steigende Kurse für das letzte Abfahrtsignal, um noch in letzter Sekunde auf den fahrenden Zug aufzuspringen, für die anderen sind steigende Kurse ein No-Go. Denn was steigt, ist möglicherweise zu diesem Zeitpunkt bereits überbewertet.

Um das Dilemma aufzulösen, ist es notwendig, sich mit den Hintergründen zu beschäftigen und sich Fragen zu stellen wie: Ist die Hausse ereignisgetrieben? Gibt es Anzeichen für eine Überhitzung? Gibt es fundamentale strukturelle Veränderungen? Stephan Bruckner, Head of Sales beim Fondspolicenanbieter Liechtenstein Life freut sich über das Rekordhoch und sieht es als Ergebnis einer optimal gelaufenen Entwicklung: „Viele lodernde Krisenherde, die uns das Jahr 2019 vererbt hat, scheinen plötzlich gelöscht: Der Brexit geht höchstwahrscheinlich geordnete Wege, der US-Chinesische Handelskrieg könnte in absehbarer Zeit beigelegt werden und die Deutsche Wirtschaft orientiert sich immer mehr an dem Thema Nachhaltigkeit. Das derzeitige Allzeithoch des DAX spiegelt all das wider und beweist einmal mehr, dass es eine gute Idee ist, seine Altersvorsorge auf Aktien aufzubauen“, so Bruckner.

Florian Uleer, Deutschlandchef des Asset Managers Columbia Threadneedle rät zu einem Blick hinter die Kulissen und verweist gegenüber procontra auf die historische Entwicklung: “Die Zusammensetzung des DAX hat sich im Laufe der vergangenen 30 Jahre deutlich gewandelt. So haben Unternehmen der Schwerindustrie an Gewicht verloren, während Technologieunternehmen heute stärker präsent sind – wie z.B. SAP oder Infineon. Das spiegelt auch die Entwicklung der deutschen Wirtschaft wider und zeigt sich einmal mehr auch im aktuellen Allzeithoch.“ Allerdings sei dies nicht der einzige Faktor: „Das derzeitige Rekordniveau geht auch darauf zurück, dass Europa im Vergleich zu den US-Bewertungen attraktiv aussieht“, so Uleer. Man sollte daher stets über den DAX-Tellerrand hinausblicken. Von reinen DAX-ETFs scheint Uleer wenig zu halten.
Stattdessen setze Columbia Threadneedle auf eine sorgfältige Aktienauswahl, um die besten Renditen zu erzielen: „Unsere Aufgabe ist es, langfristig hochwertige Aktien auszuwählen“, so der Deutschlandchef weiter.

Bleibt als Fazit: Wer bereits drin ist, sollte die Position halten. Optimisten können sich an einem vorsichtigen Einsteig versuchen. Alle anderen warten wohl besser den ersten Schnupfen ab. Dieser könnte – Stichwort Corona-Virus – schneller kommen, als man denkt.

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