Zwei Jahre MiFID II – die Bilanz unabhängiger Vermögensverwalter

Investmentfonds Top News von Anja Schlick

Die europäische Wertpapierrichtlinie sorgt auch zwei Jahre nach Inkrafttreten für reichlich Unmut unter Finanzdienstleistern. Viele unabhängige Vermögensverwalter können dem Regelwerk aber auch positive Seiten abgewinnen.

MiFID II Praxis Taping Transparenz Vermögensverwaltung

Wie sich MiFID II in der Praxis auswirkt, erläutert Anja Schlick, Leiterin Asset Servicing/Financial Assets, im Gastbeitrag. Bild: Hauck & Aufhäuser Privatbankiers AG

Anlagekosten vorab wie im Nachhinein ausweisen, Zielmärkte definieren, Telefongespräche aufzeichnen: Für das Gros der Finanzdienstleister bleibt die Wertpapierrichtlinie MiFID II ein bürokratisches Monster, das vor allem einen erheblichen Verwaltungs- und Kostenaufwand für Anbieter und Vermittler von Finanzprodukten verursacht, dabei aber das Ziel eines verbesserten Anlegerschutzes klar verfehlt. Häufig, so einer der Kritikpunkte, sorge der schiere Umfang der geforderten Informationen beim Anleger für Verwirrung, statt Transparenz zu schaffen.

Verwaltungsaufwand gestiegen

Auch unabhängige Vermögensverwalter sind mit etlichen der Vorschriften nicht einverstanden und beklagen die überbordende Bürokratie, die ausufernde Dokumentationspflichten und den daraus resultierenden Organisations- und Verwaltungsaufwand. Wie eine Vielzahl von Verbänden und Instituten hat daher auch der Verband unabhängiger Vermögensverwalter (VuV) im Rahmen der Konsultation des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) zu Erfahrungen und möglichem Änderungsbedarf eine kritische Stellungnahme abgegeben.

Als Folge will das BMF die Vorschriften teilweise entschärfen, wenn 2020 die geplante Überprüfung durch die EU-Kommission ansteht. Dies betrifft in erster Linie Aufzeichnungspflichten von Telefonaten und die Ex-ante-Kostentausweisung bei Wertpapiergeschäften per Telefon, die in ihrer bisherigen Form auch vom VuV kritisiert wurden.

Positive Aspekte der Regulierung

Allerdings können unabhängige Vermögensverwalter dem Reglement insgesamt durchaus auch positive Seiten abgewinnen. Insbesondere bewerten sie die geforderte Kostentransparenz, das Zuwendungsverbot und den erweiterten Sachkundenachweis mit jährlicher Überprüfung als positiv, wie eine Umfrage des VuV unter seinen Mitgliedern ergab. Schließlich sorgt der selbst auferlegte Qualitätsstandard der unabhängigen Vermögensverwalter dafür, dass diese Anforderungen erfüllt werden beziehungsweise sich ohne allzu große Schwierigkeiten erfüllen lassen.

Hinzu kommt, dass MiFID II es ihnen vielfach erlaubt, sich besser zu positionieren: Wenn die Standardisierung der Beratung in Banken und Sparkassen weiter zunimmt, die Palette angebotener Anlageprodukte dagegen abnimmt, können sich unabhängige Vermögensverwalter mit einem auf die individuellen Kundenbedürfnisse zugeschnittenen Leistungsangebot besser behaupten und mit ihren klassischen Kompetenzen punkten.

Wesentlich dafür ist, dass sie sich weitgehend auf ihre Kernkompetenzen, die Vermögensverwaltung und ihre Anlagestrategien konzentrieren. Damit das auch unter dem MiFID-II-Regime gelingt, bietet der UVV bereits seit deutlich vor Einführung der Richtlinie vielfältige Unterstützung. Weiter sorgen auf unabhängige Vermögensverwalter spezialisierte Verwahrstellen in vielen Bereichen für Entlastung. Neben Beistand in regulatorischen Fragen ist hier vor allem die Vertriebsunterstützung zu nennen. Denn nur wenn Anlegern Leistungen und Produkte der unabhängigen Vermögensverwalter kennen, können sie sich von ihren Vorteilen überzeugen.

Zur Autorin:
Anja Schlick ist Leiterin des Bereichs Asset Servicing/Financial Assets bei Hauck & Aufhäuser Privatbankiers AG.

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