Versicherung kündigen ohne Unterschrift – geht das?

KMU-Schutz Versicherungen von Florian Burghardt

Da Privat- und Gewerbekunden beim Vertragswechsel die Kündigung ihrer bestehenden Versicherung oft komplett in Eigenregie durchführen, müssen sie mehrere Punkte beachten, um mit ihrer Willenserklärung erfolgreich zu sein:

Einhaltung der Kündigungsfrist

Die Willenserklärung muss dem Unternehmen vor Beginn des als Kündigungsfrist deklarierten Zeitraums zugehen. Diese Frist findet sich in den Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB). Bei den meisten Verträgen beträgt sie 3 Monate zur Hauptfälligkeit des Vertrages. Bei der Kfz-Versicherung wiederum ist es nur ein Monat. Vor allem junge, moderne Versicherer bieten ihren Kunden bei immer mehr Produkten die Möglichkeit, zu jedem beliebigen Monatsende oder sogar noch am selben Tag den Vertrag aufzuheben.

Inhalt muss stimmen

Damit das Unternehmen eine Willenserklärung überhaupt zuordnen und verarbeiten kann, benötigt es zwingend einige Angaben. Bei Versicherungen ist das die Vertrags- beziehungsweise Versicherungsscheinnummer. Auch Name und Adresse des Kündigenden werden benötigt. Im Idealfall sollte der Vertrag „zum nächstmöglichen Zeitpunkt“ gekündigt werden, um Missverständnisse beim Datum zu vermeiden. Wer dieses genau kennt, kann es aber natürlich auch angeben.

Bestätigung anfordern

Versicherer senden ihren Kunden normalerweise immer automatisch eine Bestätigung der Vertragsaufhebung zu. Entweder per Briefpost oder E-Mail, oder auch über die immer zahlreicheren Kundenportale. Es kann aber nicht schaden, im Schreiben konkret um eine Kündigungsbestätigung zu bitten. Um selbst sicher zu gehen, dass die Kündigung beim Versicherer angekommen ist, bleibt das Einschreiben mit Rückschein die besten Variante (aktuell 4,70 Euro zzgl. Briefporto bei der Deutschen Post).

Kündigung ohne Unterschrift?

Seit dem 01. Oktober 2016 können auch Versicherungen in Textform gekündigt werden. Das bedeutet vor allem per E-Mail. Rein theoretisch können Policen aber auch per Chat oder SMS gekündigt werden, falls der Versicherer diese Kanäle anbietet. Durch diese Gesetzesklarstellung ist auch das Recht der Versicherer auf eine unterschriebene Kündigung entfallen. Die neue Regelung gilt allerdings nur für Verträge, die nach dem 30. September 2016 abgeschlossen wurden. Sollten in diesen neuen Verträgen dennoch Klauseln enthalten sein, die eine Kündigung in Schriftform mit Unterschrift verlangen, sind diese Klauseln nichtig. Allerdings muss die Kündigung den Willen klar zum Ausdruck bringen. Dies geschieht einerseits durch die wichtigen Inhalte wie Vertragsnummer und Name. Andererseits sollten auch elektronische Kündigungen ohne Unterschrift den Rückschluss auf den Vertragsinhaber zulassen, beispielsweise durch eine beim Versicherer bereits hinterlegte E-Mail-Adresse oder Handynummer.

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