Thomas Cook-Pleite: Bund übernimmt Haftung

Versicherungen von Florian Burghardt

Trotz Versicherungsschutz bleibt Pauschalreisenden nach der Thomas Cook-Insolvenz eine große finanzielle Lücke. Diese will die Bundesregierung nun schließen. Warum so entschieden wurde und wie es für die Urlauber weitergehen soll.

Pauschalurlauber, die von der Pleite des Reisekonzerns Thomas Cook betroffen sind, können aufatmen: Die Bundesregierung will ihnen ihr Geld zurückerstatten.

Pauschalurlauber, die von der Pleite des Reisekonzerns Thomas Cook betroffen sind, können aufatmen: Die Bundesregierung will ihnen ihr Geld zurückerstatten. Bild: iStock/Nirian

Im Falle des insolventen Reiseunternehmens Thomas Cook wird nun der Staat einspringen. Genau genommen soll betroffenen Pauschalurlaubern der Teil des Reisepreises ersetzt werden, der nicht durch den Versicherer Zurich übernommen wird. Das hat ein Sprecher der Bundesregierung dem ARD-Hauptstadtstudio nach der heutigen Kabinettssitzung bestätigt.

Trotz Versicherungsschutz bleibt nach der Thomas Cook-Pleite eine große finanzielle Lücke bei den Kunden des Reisekonzerns. Denn die Zurich wird nur bis zur vereinbarten Versicherungssumme in Höhe von 110 Millionen Euro Haftung übernehmen. Experten schätzen den Schaden aber auf 300 bis 500 Millionen Euro. Die Zurich selbst hatte bis Anfang November bereits ein Schadenvolumen von rund 250 Millionen Euro verzeichnet. Über den Versicherer werden die Kunden also nur etwa 20 bis 30 Prozent ihrer bereits geleisteten Zahlungen zurückerhalten.

Eigentlich sollten sie bei Insolvenz des Reiseveranstalters vollständig abgesichert sein. Das besagt die geltende EU-Richtlinie für Pauschalreisen. In Deutschland sah man diese Vorgabe allerdings mit einer Haftungsobergrenze von 110 Millionen Euro als erfüllt an – immerhin mehr als das Dreifache der bislang größten Insolvenz eines Reiseveranstalters.

Bund will „Vertrauensschutz“ wahren

Doch seit der Thomas Cook-Pleite wächst die Kritik an diesem Vorgehen der Bundesregierung. Die Tagesschau zitiert den stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der FDP, Michael Theurer, mit den Worten: „Dass nun der Steuerzahler einspringen soll, ist ein Schuldeingeständnis der Großen Koalition. Sie hat die EU-Gesetzgebung offenbar mangelhaft umgesetzt. Es kann nicht angehen, dass Risiken verstaatlicht und Gewinne privatisiert werden.“

Wie das Medium weiter berichtet, soll mit der Übernahme der Kosten durch den Bund eine Prozesslawine verhindert und der „Vertrauensschutz“ gewahrt bleiben. Aus dem Bundesjustizministerium heißt es dazu, dass die Reisenden auf den Sicherungsschutz gemäß Bürgerlichem Gesetzbuch vertraut hätten. Dieser soll ihnen nun auch garantiert werden.

Dem Bericht zufolge müssen die betroffenen Kunden nicht selbst aktiv werden. Die Bundesregierung will Anfang 2020 auf sie zugehen und über die weitere Schritte informieren. In naher Zukunft wird dann auch eine Gesetzesänderung zur besseren finanziellen Absicherung von Pauschalreisenden immer wahrscheinlicher.

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