Run-off: Wie toxisch wirkt Generali?

Berater Versicherungen Top News von Michael Fiedler

Lebensversicherung im Run-off: Ein Zitat von Giovanni Liverani, Deutschland-Chef der Generali, bringt maxpool-Chef Oliver Drewes auf die Palme. Der Poolchef argumentiert wie das oberste britische Gericht.

Generali Run-off

Hält den Run-off der Generali für eine Schande: Oliver Drewes, Geschäftsführer von maxpool. Bild: maxpool

Das Geschäft mit Lebensversicherungen ist in Niedrigzinszeiten kein reines Vergnügen. Generali verkaufte einen Großteil der eigenen Bestände und erntete dafür bereits reichlich Kritik. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen rechtfertigte Giovanni Liverani, Deutschland-Chef der Generali, den Schritt u.a. so: „Klassische Policen mit einem Garantiezins von drei Prozent sind in einer Welt von Negativzinsen nicht mehr zeitgemäß. Sie werden früher oder später für die gesamte Branche toxisch. Das ist kein spezielles Problem von Generali, sondern für alle Lebensversicherer in Deutschland. Aber wir hatten den Mut, das große finanzielle Risiko der hohen Zinsen aus unseren Bilanzen zu nehmen.“

„Schande für die Branche“

Ein Interview, das Maxpoolchef Oliver Drewes in Rage brachte. Auf seinem Facebook-Profil schrieb er: „Die Generali bezeichnet ihre eigenen Kunden als ‚toxische Belastung‘. Kundenbeziehungen, die über Jahrzehnte mit viel Liebe, Herzblut, Geld und vertrieblicher Energie von der Generali aufgebaut wurden, sind ganz plötzlich eine ungewollte und angeblich sogar ‚giftige Belastung‘.“

Gegenüber procontra legte der Poolchef nach. Die ganze „Run-off-Thematik” sei nie in den Beratungen angesprochen worden. Drewes sieht in dem Run-Off einen „plumpen und billigen Trick“, um sich aus den Verträgen zu schleichen: „Ein Vertrauensmissbrauch, den vor einigen Jahren KEIN Generali-Mitarbeiter oder Makler für möglich gehalten hätte.“

Gericht argumentiert ähnlich

Bemerkenswert ist, dass das Oberste Gericht wie Drewes argumentiert. Allerdings nicht das deutsche, sondern das britische Oberste Gericht. Das verbot kürzlich einen milliardenschweren Run-off-Deal zwischen M&G Prudential und Rothesay. Die Richter begründeten ihr Urteil vor allem damit, dass die Kunden ihre Verträge bewusst bei einem alten, traditionsreichen Unternehmen abgeschlossen hätten. Der Abwickler verfüge weder über das Ansehen, noch die Geschichte von Prudential. Zudem sei der Versicherer im Gegensatz zum Abwickler breit aufgestellt, was den Kunden Sicherheit vermittle.

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