PKV: Finanztest empfiehlt leistungsschwache Tarife

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Die Zeitschrift Finanztest wollte kürzlich die leistungsstärksten PKV-Tarife küren. Heraus kam nicht mehr als ein Preisvergleich, findet Mehrfachagent und PKV-Experte Marcus Dippold. Die Mindestanforderungen des Tests offenbaren teilweise ruinöse Lücken.

Marcus Dippold sieht den PKV-Vergleich der Zeitschrift Finanztest mehr als kritisch.

Marcus Dippold sieht den PKV-Vergleich der Zeitschrift Finanztest mehr als kritisch. Bild: Marcus Dippold

„Avanti dilettanti“ schrieb vor nicht allzu langer Zeit der Kollege Matthias Helberg über die BU-Tests der Stiftung Warentest. Weitere Tests zum Thema Versicherungen durch die Stiftung Warentest zeigten mehr als einmal handwerkliche Mängel. So auch der Vergleich von 120 Tarifen der privaten Krankenvollversicherung in der Finanztest-Ausgabe 11/2019, bei dem gerade einmal 3 Tarife mit „sehr gut“ benotet wurden.

Kein Wunder. Denn um Versicherungen zu testen ist keine Ausbildung oder Qualifikation im Bereich der Versicherungen notwendig. Auch haften Verbraucherschützer – im Gegensatz zu uns Vermittlern – nicht für Ihre Aussagen. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Ich schätze die Produkttests der Stiftung Warentest sehr. Aber Versicherungen sind nun mal keine Smartphones, Waschmaschinen oder Fernseher. Wenn meine Waschmaschine nach kürzester Zeit kaputtgeht, kaufe ich für 300 bis 500 Euro eine neue Maschine. Das ist kein Risiko, das mein Leben bedroht oder ruiniert.

Ganz anders verhält es sich bei der PKV und das weiß man offenbar auch bei der Stiftung Finanztest. Schließlich schreiben die Autoren selbst: „Niemand weiß vorher, welche medizinischen Leistungen er einmal brauchen wird. Wer eine private Krankenversicherung abschließt, soll deshalb für einen umfassenden Schutz sorgen. Sonst kann es passieren, dass er im Krankheitsfall auf Leistungen verzichten oder sie selbst bezahlen muss. In unserem Test haben wir deshalb nur Angebote aufgenommen, die einen umfassenden Qualitätsstandard bieten.“

Mindestanforderungen deutlich zu niedrig

Vor diesem Hintergrund stellt man sich die Frage, warum das Preis-Leistungs-Verhältnis der Tarife 80 Prozent der Gesamtnote im Test ausmacht – obwohl doch die Leistungen im Vordergrund stehen sollen. Über die übrigen 20 Prozent entscheidet die Entwicklung der Beiträge für Neukunden in den vergangenen sechs Jahren.

Entscheidend ist aber: Die Mindestanforderungen von Finanztest sind teilweise deutlich zu niedrig angesetzt, um Verbrauchern auf diesem Wege „die besten PKV-Tarife“ zu empfehlen. Beispiele:

  • Ambulante Psychotherapie, 70 Prozent Erstattung für 50 Sitzungen im Jahr                            
  • Stationäre Psychotherapie für 30 Behandlungstage im Jahr                              
  • 75 Prozent für technische Hilfsmittel und Prothesen in einfacher Ausführung                                    
  • mehr als 65 Prozent für Zahnersatz und Inlays

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