Elektronikversicherungen: „Ich halte den Abschluss für unverzichtbar“

KMU-Schutz Versicherungen von Johannes Gulden

Elektroversicherungen sind für Metzger und Bäcker essenziell zur Absicherung ihres Betriebs. Was Makler hierbei beachten sollten und welche Versicherungen die Elektroversicherungen ergänzen, erklärt Handwerksmakler Rainer Schamberger im procontra-Interview.

Warum gerade für KMU eine Elektronikversicherung unverzichtbar ist, sagt uns Handwerksmakler Rainer Schamberger.

Warum gerade für KMU eine Elektronikversicherung unverzichtbar ist, sagt uns Handwerksmakler Rainer Schamberger. Bild: Handwerksmakler

Procontra: Warum brauchen Ihrer Meinung nach Bäcker und Metzger eine Elektronikversicherung?

Rainer Schamberger: Aus meiner Sicht als Handwerksmakler benötigten diese Gewerke nicht nur die Elektronikversicherung, sondern eine Kombination aus Maschinen-/ Elektronikversicherung und Inhalts- sowie Betriebsunterbrechungsversicherung. Der Hintergrund ist denkbar einfach: Mit dem Ausfall einer Maschine kann die gesamte Produktion und somit der Betrieb stillstehen, was schnell zu hohen Umsatzverlusten führen kann. Die Versicherung sorgt zwar dafür, dass die entsprechende Maschine schnell repariert oder ersetzt wird, kann den Betriebsausfall jedoch nicht verhindern. Um den entstehenden Umsatzverlust auszugleichen, empfiehlt sich deshalb eine Betriebsunterbrechungsversicherung zuzüglich zur Elektronikversicherung. Gerade jetzt, im letzten Quartal ist das für Bäcker und Metzger ein wichtiger Punkt. Beim Bäcker stellt das Jahresende die Produktionshochphase dar, in denen zwei Drittel des gesamten Jahresumsatzes erwirtschaftet werden. Auch Metzger haben zum Jahresende viel zu tun, beispielsweise bei der Produktion des hochwertigen Fleisches für die Festtage oder mit ihrem oft angeschlossenen Partyservice.

Procontra: Elektronik-, Maschinen-, Betriebsinhaltsversicherung – da kann man leicht den Überblick verlieren. Wo liegen hier genau die Unterschiede?

Schamberger: Vereinfacht formuliert; Die Elektronikversicherung leistet für Schäden an elektronischen Geräten, elektrischen Bauelementen oder der Elektrotechnik, also Steuerelemente von Maschinen, oder rein technische Geräte wie eventuell ein Computer. Ausgeschlossen hiervon sind dann Geräte, die Energie erzeugen oder Energie in mechanische Kraft umwandeln – hier greift die Maschinenversicherung. Alles jenseits von Maschinen und elektrischen Geräten wird von der Betriebsinhaltsversicherung abgedeckt. Die Versicherungen ergänzen sich also prima und sollten im Optimalfall auch in Kombination angeboten werden. Bei Elektronik- und Maschinenversicherungen handelt es sich übrigens um Allgefahrenversicherungen – das bedeutet, dass alle nicht explizit ausgeschlossenen Gefahren automatisch als mitversichert gelten. Das schließt unter anderem Feuer, Leitungswasser, Sturm/Hagel, Einbruch, aber auch Bedienungsfehler Kurzschlüsse oder den Vorsatz durch Dritte ein. Bei Versicherungen greifen für alle die Geräte und Maschinen, die explizit in den Bedingungen genannt sind.

Procontra: Apropos Bedingungen – worauf sollten Makler hier besonders achten?

Schamberger: Für Bäckereien und Metzgereien ist es aus meiner Sicht das Wichtigste, dass alle Geräte ordnungsgemäß in der Police mitaufgenommen werden. Einfacher sind natürlich pauschale Versicherungen, die sämtliche elektronischen Geräte und Maschinen absichern. Hier müssen Makler nur noch auf die Ausschlüsse sowie die passende Versicherungssumme achten. Letztere wird von vielen Kunden meistens unterbewertet. Ein wichtiger Punkt ist meiner Meinung nach zudem die Neuwertentschädigung, die zwischen den am Markt erhältlichen Tarifen starke Unterschiede aufweist. Makler sollten hier folgende Fragen im Auge behalten: Was ist mit bereits abgeschriebenen Geräten? Wie wird bei Reparaturen geleistet? Und gibt es überhaupt eine Neuwertentschädigung oder nur den Zeitwert? Außerdem gilt es auf Entschädigungshöchstgrenzen sowie versteckte Selbstbeteiligungen zu achten. Wer tiefer in die Materie einsteigen möchte, kann dies auf meinem Handwerksmakler-Blog tun, der seit kurzem online ist.

Procontra: Welche kostspieligen technischen Geräte gibt es denn in einer Bäckerei bzw. Metzgerei?

Schamberger: Um einfach mal ein paar Beispiele zur nennen: Kneter, Dosiermaschinen, Etagenöfen, Schinken-Schneidemaschinen, auch große Kühlgeräte, Spülmaschinen, Fleischwölfe, Fleischkutter und Wurstfüller oder einfach die Kassengeräte sind teure Gerätschaften, die mindestens 1.000, gerne aber auch einmal bis zu 25.000 Euro kosten können. Schadensbeispiele gibt es hierbei unzählige – so kann ein Überspannungsschaden nach einem Blitzschaden beispielsweise die Steuereinheiten vieler Geräte funktionsunfähig machen. Aufgrund der Vielzahl der Schäden, die ich aus meinem Arbeitsalltag kenne, halte ich den Abschluss entsprechender Versicherungen für unverzichtbar.

Procontra: Unterschätzen Ihrer Meinung nach denn die Zielgruppen das Risiko?

Schamberger: Das ist von Kunde zu Kunde natürlich unterschiedlich. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit bei dieser Zielgruppe recht hoch, dass sich die Inhaber der Metzgereien und Bäckereien nur wenig mit dem Thema Versicherungen, erst recht nicht mit dem Thema Elektronikversicherung auseinandergesetzt haben. Da gleichzeitig die Angst vor einem Betriebsstillstand und einem damit einhergehenden Umsatzverlust allerdings groß ist, rate ich, dass Thema umfassend, das heißt in Form einer vollständigen Absicherung aus Inhalts-, Betriebsunterbrechungs-, Maschinen- und Elektronikversicherung anzusprechen. Gerade die Maschinen und Elektronik haben für die Bäcker und Metzger eine entscheidende Bedeutung, da mit ihnen der Umsatz produziert wird, der Löhne und Gehälter finanziert. Wer dies den Kunden vor Augen führt, kann den Handlungsbedarf deutlich machen.

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