Brexit: So verkompliziert er den Versicherungsschutz

Berater Recht & Haftung Versicherungen Top News von Detlef Pohl

Im zweiten „No-Deal“-Szenario wird es nach dem Hard-Brexit zwischen Großbritannien und den EU-Staaten keine Niederlassungs- und Dienstleistungsfreiheit mehr geben und der Handel würde lediglich nach den WTO-Regeln erfolgen. In der Folge können europaweit tätige Versicherer ohne eine entsprechende Erlaubnis in den einzelnen EU-Ländern langfristig (nach dem 31. Dezember 2020) nicht mehr über Niederlassungsnetze (nicht mit rechtlich selbständigen juristischen Personen wie Tochtergesellschaften zu verwechseln) operieren, die sowohl Großbritannien als auch die übrigen EU-Länder abdecken. „Dies gilt in gleicher Weise für Versicherungspolicen, die in Großbritannien zur Deckung von Risiken in den EU-Mitgliedsstaaten gezeichnet werden“, sagt Olaynig.

Britische Versicherer gründeten EU-Gesellschaften

Um nach einem harten Brexit dennoch am EU-Markt teilnehmen zu können, benötigen die Briten eine unabhängige, geschäftsführende Einheit innerhalb des EU-Binnenmarkts, die unter europäische Aufsicht fällt, oder, um über eine entsprechende Niederlassung tätig werden zu können, die Erlaubnis des betreffenden EU-Mitgliedsstaates. Vor dem Hintergrund, dass viele Versicherer ihrer Geschäftstätigkeit in ganz Europa durch eine Gesellschaft mit Sitz in Großbritannien nachgehen, verfolgen sie derzeit Brexit-Strategien, um Kontinuität und Vertragssicherheit auch künftig zu gewährleisten (procontra berichtete).

Beispiel: Lloyd´s hat die Lloyd’s Insurance Company S.A. in Brüssel gegründet. Diese Tochter hält eine Lizenz, um EU-Risiken zu zeichnen. Das Underwriting findet aber weiter komplett in London statt und alle Policen werden zu 100 Prozent bei der Mutter rückversichert, erklärt der Makler. Luxemburg sei ebenso ein vielgenutzter Standort für die Gründung von EU-Gesellschaften von britischen Versicherern. Aber auch Frankreich, Deutschland und Irland gehören zum Kreis der attraktiven Standorte.

Deutsche Makler könnten weiterhin die etablierten Einheiten von britischen Versicherern innerhalb des EU-Binnenmarktes für die Risikoplatzierung nutzen. „Bei einem sich abzeichnendem Hard-Brexit sollten deutsche Makler darauf achten, dass der Sitz des Versicherers ihrer transferierten Risiken sich innerhalb der EU befindet, damit Vertragskontinuität langfristig gewährleistet bleibt“, rät der BDVM-Vorstand.

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