Brexit: So verkompliziert er den Versicherungsschutz

Berater Recht & Haftung Versicherungen Top News von Detlef Pohl

Der Brexit könnte sich bis Ende 2020 hinziehen. Zuletzt kam mit dem Wahlergebnis zum britischen Unterhaus wieder Hoffnung für einen Deal mit der EU auf. Dennoch sind weiter zwei Szenarien denkbar. Die Folgen für Versicherungen skizziert der BDVM.

Versicherungsverträge in Deutschland, die Risiken in Großbritannien abdecken, sind zunächst nicht vom Brexit betroffen, sagt Thomas Olaynig, Vorstand des Maklerverbandes BDVM.

Versicherungsverträge in Deutschland, die Risiken in Großbritannien abdecken, sind zunächst nicht vom Brexit betroffen, sagt Thomas Olaynig, Vorstand des Maklerverbandes BDVM. Bild: Marsh

Die politische Regulierung durch Brüssel und Berlin beeinflusst das Tagesgeschäft von Maklerbetrieben massiv. Das dürfte auch 2020 weitergehen, wurde kürzlich auf einer Fachtagung des Bundesverbandes Deutscher Versicherungs-Makler (BDVM) deutlich. Der Verband erwartet eine neue Regulierungswelle, auch durch den beabsichtigten Aufsichtswechsel bei 34f-Vermittlern (procontra berichtete).

Im kommenden Jahr beeinflusst zudem der Brexit die Kundenbeziehungen. Wenn jemand uns vor einem Jahr gesagt hätte, dass wir uns bis heute mit dem Brexit beschäftigen, hätte ich ihm wenig Glauben geschenkt“, sagt Thomas Olaynig. „Doch die Brexit-Planung ist einem ständigen Wandel ausgesetzt“, so der Vorstand des Maklerverbandes BDVM und Geschäftsführer der Marsh GmbH weiter. Aktuell stelle sich nur noch die Frage wann Großbritannien die EU verlässt sowie in welcher Art und Weise - Deal or No-Deal. Derzeit sieht er zwei Szenarien für den Ausstieg:

  1. Geregelter Austritt (Deal) und spätere Einigung auf ein Freihandelseinkommen.
  2. Ungeregelter Austritt (No-Deal), „Hard-Brexit“ ohne Abkommen.

Deal or No-Deal

Im ersten „Deal“-Szenario, das Boris Johnson bis spätestens Ende 2020 anstrebt, bleibt abzuwarten, welchen Stellenwert Dienstleistungen im Freihandelsabkommen haben werden. Das Austrittsabkommen sieht eine Liberalisierung im Dienstleistungshandel vor, die über die WTO-Regeln hinausgeht. „Höchstwahrscheinlich verliert die deutsche Versicherungswirtschaft jedoch mit dem Austritt die Freedom-of-Services-Regelungen (FoS) mit Großbritannien“, so Olaynig. Diese auch Europa-Policen genannten Versicherungen bieten im Europäischen Wirtschaftsraum einheitlichen Versicherungsschutz für einen internationalen Konzern durch eine einzige Erstversicherungspolice, die typischerweise im Sitzland der Konzernholding abgeschlossen wird. Bei dieser Lösung gibt es also keine lokalen Policen.

Diese Entwicklung, insbesondere auch der Umstand, dass Vorkehrungen für den Fall eines „No-Deal“-Brexits getroffen werden müssen, hat Neugründungen von EU-Gesellschaften britischer Versicherer in der EU zur Folge gehabt (procontra berichtete). „So gut wie alle haben ihre bestehenden Verträge auf ihre EU-Gesellschaften übertragen“, so Olaynig weiter.

Seite 1: Szenario 1: Deal
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Szenario 2: No-Deal
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