Betriebsunterbrechungsversicherung: So beraten Sie Ihre Kunden richtig

Berater KMU-Schutz von Sebastian Wilhelm

Sie gehört neben dem Regressschutz zu den essenziellen Absicherungen für jedes Unternehmen – die Betriebsunterbrechungs- oder Ertragsausfallversicherung. Mit welchen Argumenten Makler ihre Gewerbekunden von der Sinnhaftigkeit einer solchen Police überzeugen.

Bei BU zurücklehnen oder richtige Police abschließen.

Wenn Ihre Kunden eine Betriebsunterbrechung haben, können die sich zurücklehnen – oder Sie vermitteln Ihnen die richtige Police. Bild: iStock/Ian Dyball

Wenn im Zusammenhang mit Versicherungen von BU die Rede ist, wird darunter meist die Berufsunfähigkeit verstanden. Ein ganz wesentlicher Absicherungsbereich, keine Frage. Doch es gibt noch eine zweite Bedeutung des Kürzels, die ebenfalls für ein fundamentales Risiko steht – das allerdings nicht Einzelpersonen, sondern Firmen bedroht: Betriebsunterbrechung. Eine Gefahr, mit der sich jeder vorausschauende Unternehmer auseinandersetzen sollte.

Das Thema Betriebsunterbrechung oder Ertragsausfall hat in den letzten Jahren noch einmal an Brisanz gewonnen. Denn die Technisierung, vor allem die digitale Automatisierung, schreitet voran. Dadurch sind immer mehr Betriebe auf funktionierende Gerätschaften angewiesen. Hinzu kommt, dass zu den „klassischen“ Risiken wie Feuer oder Einbruchdiebstahl mit der Cyberkriminalität noch ein weiteres getreten ist, das einen Betrieb lahmlegen kann. Die meisten Versicherer decken es allerdings nicht über einen Cyberbaustein im Rahmen einer BU-Police ab, sondern über einen BU-Baustein im Rahmen einer Cyberpolice.

Folgeschäden häufig teurer als Sachschäden

In der Gewerbekundenberatung kommt es darauf an, dem Unternehmer das mögliche Schadensausmaß durch eine BU in seinem Betrieb vor Augen zu führen. Erfahrungsgemäß wird es weithin unterschätzt. Die Gewerbetreibenden – ob produzierender Betrieb, Handwerker wie Bäcker und Metzger, Handelsunternehmen oder Freiberufler – tendieren dazu, ihren Fokus nur auf den auslösenden Sachschaden zu richten.

Wenn ein Brand die Geschäftsräume und den Geschäftsinhalt zerstört oder Einbrecher alles mitnehmen, was nicht niet- und nagelfest ist, und zudem noch Verwüstungen hinterlassen, dann kann das ein Unternehmen natürlich in seinen Grundfesten erschüttern. Daher müssen solche Risiken ohne Zweifel abgesichert werden. Doch wenn die Geschäftstätigkeit daraufhin ruhen muss, entstehen unter Umständen finanzielle Einbußen, die den eigentlichen Sachschaden überwiegen. Vor allem die folgenden Kostenblöcke schlagen zu Buche:

  • Personal-, Miet-/Pacht-, Leasing-/Finanzierungs- und andere fixe Kosten laufen in der Regel unverändert weiter, eine nennenswerte Absenkung ist kurzfristig kaum möglich;
  • Kunden können nicht bedient, Aufträge nicht bearbeitet werden, der entsprechende Umsatz fällt unmittelbar weg;
  • Mittel- und langfristig drohen Umsatzeinbußen, wenn verärgerte Kunden zu Wettbewerbern abwandern.

Das letztgenannte Risiko lässt sich zwar nicht genau taxieren und damit auch kaum versicherungstechnisch abbilden. Doch umso wichtiger ist es, die konkret nachweisbaren Schäden durch eine BU abzusichern, um das Unternehmen nicht mit Schlagseite in womöglich stürmischere Zeiten zu schicken.

Standardmäßig deckt eine BU-Police den Ertragsausfall ab, der infolge von Schäden durch Feuer, Leitungswasser, Sturm/Hagel, Vandalismus, Einbruchdiebstahl, Raub, Elementargefahren wie Überschwemmungen oder durch mutwillige Beschädigung eingetreten ist. Auch Ausfälle in der Zulieferkette kennen eingeschlossen werden. In der Regel werden für maximal ein Jahr die Kosten für entgangenen Gewinn, für fixe Posten wie Personal und Miete und generell für die Betriebserhaltung übernommen. In der Beratung sollte also herausgearbeitet werden, welcher Ertragsausfall eintreten kann, wenn die Räder ein Jahr lang stillstehen. Neben dieser mittleren oder großen BU-Absicherung gibt es noch eine kleine, die lediglich die Auszahlung der Inhaltsversicherungssumme als Kompensation für den Ertragsausfall vorsieht; hierzu ist jedoch nur zu raten, wenn das Budget des Kunden nicht mehr hergibt.

BU-Schadenbeispiele aus der Praxis

So vielfältig wie die mittelständische Unternehmenslandschaft hierzulande ist auch das Spektrum möglicher Schäden. Doch einige typische Beispiele illustrieren, dass das BU-Risiko keinesfalls unterschätzt werden sollte:

  • Ein Brand in einem Anwaltsbüro zerstört wichtige Akten. Während die Büroeinrichtung schnell wiederhergestellt ist, zieht sich die Wiederbeschaffung der Akten über Monate, zudem muss während der Sanierung ein Ausweichbüro angemietet werden. Die Folgeschäden kosten am Ende ein Mehrfaches der eigentlichen Brandschäden.
  • Eine Gruppe offenbar alkoholisierter junger Männer bricht nachts in ein Ladengeschäft ein, entwendet Bargeld und Waren und randaliert. Bis die Einrichtung wieder präsentabel und Waren wiederbeschafft sind, vergehen zwei Wochen, in denen die Fixkosten weiterlaufen.
  • Durch austretendes Leitungswasser werden die Räume einer Arztpraxis durchfeuchtet. Während die Wände und Böden getrocknet und saniert werden, muss der Praxisbetrieb bei vollen laufenden Kosten wochenlang pausieren. Zu diesen treten in der Folgezeit noch (nicht versicherbare) Umsatzeinbußen, da einige Patienten sich andere Behandler gesucht haben.
  • Eine technische Störung an einem Kühlaggregat löst einen Brand in einer Metzgerei aus. Diese muss ihren Betrieb für mehrere Wochen einstellen, bis Gebäude, Geräte und Einrichtung wieder funktionsfähig sind.
  • Ein Sturm mit Orkanböen deckt das Dach einer Kfz-Werkstatt ab. Da es in der Region auch zu zahlreichen weiteren Schäden gekommen ist, sind Dachdecker sehr gefragt. So dauert es drei Wochen, bis das Dach endlich repariert ist. In dieser Zeit muss ein Ausweichquartier in einer in der Nähe gelegenen Halle bezogen werden. Dort ist jedoch nur ein Notbetrieb möglich, so dass zur Extra-Miete noch Umsatzeinbußen hinzukommen.

Im Beratungsgespräch sollten solcherlei Schadenszenarien auf die jeweilige Branche abgestimmt werden. So lässt sich das Bewusstsein für eine der wichtigsten betrieblichen Absicherungen bei den oftmals sorglosen Unternehmern effektiv schärfen.

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