Wird Cyberversicherung zum Bumerang?

Digital Berater Versicherungen Top News von Detlef Pohl

Risiken digitaler Geschäftsmodelle noch nicht eingepreist

Ein Problem in der Cyberversicherung betreffe den Begriff der Betriebsunterbrechung. „Viele Bedingungen sehen die Betriebsunterbrechung als beendet an, wenn die IT-Systeme wieder funktionieren“, so Fischer-Erdsiek deutlich. „Dann sind jedoch längst nicht alle Probleme beseitigt, die eigentliche betriebswirtschaftliche Unterbrechung dauert in der Regel viel länger“, weiß der Makler aus Erfahrung.

Bei der Bewertung der Komplexität und Dynamik der Risiken der Digitalisierung könne man sich an die Feuerversicherung anlehnen. Nicht umsonst gelte die IT-Sicherheit als der Brandschutz des 21. Jahrhunderts. Durch Richtlinien und Standards in der Feuerversicherung konnte in der Vergangenheit Klarheit und Struktur in die Bewertung von Risiken gebracht werden.

„Die Versicherungswirtschaft hätte spätestens mit Konzeption und Einführung des GDV-Cyber-Musterwordings verbindlicher werden müssen“, kritisiert Fischer-Erdsiek. Zumindest leiste der Bewertungs-Standard wertvolle Basisarbeit für die Risikobewertung. Wichtig sei es, dass die Branche jetzt qualifiziertes Personal aufbaue und Standards entwickle, bevor die Cyberversicherung zum Bumerang wird.

Vom BDVM wird die Marktentwicklung in der Arbeitsgruppe Cyberversicherung, die Fischer-Erdsiek leitet, schon seit sechs Jahren begleitet. Der Verband sieht die Cyberversicherung als einen ersten Einstieg zur Absicherung von Risiken der Digitalisierung. Derzeit würden vor allem Versicherungsschutz und Deckungslücken auf dem heutigen Status Quo der aktuellen Prozesse und Geschäftsmodelle definiert.

„Parallel hierzu müssten Überlegungen zu den digitalen Geschäftsmodellen, die auf gemeinsamer Nutzung von Daten und IT-Strukturen beruhen, angestellt werden, denn die digitale Realität ist schon weiter“, so der Experte. Hier verschwimme die Zuordnung von Fremd- und Eigenschäden. Die Cyberversicherung sei erst der Anfang in der auf die Digitalisierung abgestellten Versicherungslösungen.

Ähnliche Ergebnisse bei Marktuntersuchungen

Diese Einschätzung wird durch eine gemeinsame Umfrage des Analysehauses Assekurata und der Strategieberatung Instinctif Partners unter Versicherern und Spezialmaklern untermauert. 85 Prozent der Anbieter empfinden die Wettbewerbssituation als intensiv. Dabei werde der Kampf über das Bedingungswerk als noch etwas stärker angesehen als der Prämienwettbewerb.

Der Cyber-Markt sei noch nicht wirklich reif, aber in Bewegung gekommen. 74 Prozent der Befragten erkennen in konventionellen Sach- und Haftpflichtdeckungen erhebliche Silent-Cyber-Risiken. Unter „Silent Cyber“ verstehen Versicherer potentielle Cyberrisiken, die teilweise über die klassischen Versicherungen wie Haftpflicht- und Sachversicherung abgedeckt sind, nicht jedoch über die eigentliche Cyberversicherung.

Andere Cyber-Studien kommen zu ähnlichen Ergebnissen, jüngst etwa vom Risikoberater Willis Towers Watson (procontra berichtete), der Gothaer Versicherung (procontra berichtete) sowie dem Hiscox Cyber Readiness Report und einer YouGov-Maklerumfrage (procontra berichtete). Ein erstes Rating gewerblicher Cyberpolicen hatte Franke und Bornberg im Herbst 2018 vorgelegt (procontra berichtete).

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