Wird Cyberversicherung zum Bumerang?

Digital Berater Versicherungen Top News von Detlef Pohl

Der Markt für Cyberversicherungen ist noch am Anfang, nimmt aber Fahrt auf und bringt auch neue Probleme mit sich. Der BDVM sieht gute Chancen für spezialisierte Makler und fordert schnellere Lösungen der Versicherer für digitale Geschäftsmodelle.

In der Cyberversicherung lernen Firmen- und Privatkunden durch Schmerzen, sagte Achim Fischer-Erdsiek, Cyber-Experte des Maklerverbandes BDVM. Bild: Pohl

Die Digitalisierung ist im Maklerbüro angekommen, wenn man sie denn hereinlässt. Welchen Weg man als Makler im Detail gehen müsse, dafür gebe es keinen Masterplan. Das muss jeder Betrieb selbst ausprobieren“, so das Fazit einer Fachtagung des Bundesverbandes Deutscher Versicherungs-Makler (BDVM) kürzlich in Hamburg (procontra berichtete).

Eng mit dem Thema Digitalisierung hängen die Themen Cyberkriminalität und Cyberversicherungen zusammen, erklärte Achim Fischer-Erdsiek, Geschäftsführer der NW Assekuranz Pro Risk und bis letzten Freitag BDVM-Vorstand, auf der Tagung. Dabei sei zu beobachten, dass die Zahl der Abschlüsse von Cyberversicherungen analog zu den Schadenerfahrungen der Firmen kontinuierlich wachse.

„Die Kunden lernen durch Schmerzen“, berichtete der Makler. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) hätten inzwischen viele kleine Cyberschäden mit je 5.000 bis 15.000 Euro zu beklagen. Die Betriebsunterbrechung schlage aber bereits mit durchschnittlich 250.000 Euro zu Buche. Das Cyberthema sei „sehr beratungsintensiv“ auf Seiten der Makler, aber zugleich auch sehr dynamisch und sensibel auf Seiten der Versicherer.

Divergierende Markteinschätzungen

Dem Rückversicherer Munich Re zufolge wird das Cyber-Marktvolumen in Europa für das laufende Jahr bei 800 Millionen Euro Jahresbeitrag. Auf Deutschland entfielen nach Branchenumfragen rund 150 Millionen Euro. Im Vergleich dazu lag laut einem Bericht von Aon das Marktvolumen in den USA 2018 bei rund zwei Milliarden US-Dollar, gab Fischer-Erdsiek eine Markteinordnung ab.

Laut Munich Re kalkuliere die Branche mit einer Schadenquote von 80 Prozent. Druck auf die Preise gebe es nicht. Die Erstversicherer zeichnen dagegen ein anderes Bild. „Derzeit steigende Schadenquoten führen zu steigenden Prämiensätzen - zum Teil auf das Doppelte - und sinkenden Kapazitäten. Die Versicherer reduzierten ihre Limits auf eine Größenordnung von rund 15 Millionen Euro. Ursache: Die Schadenfrequenz steigt ebenso wie die Zahl der Großschäden.

Auf Bedingungsseite gebe es bei mehreren Aspekten noch Klärungsbedarf. Namentlich nannte der BDVM-Experte die Aspekte Silent Cyber (inwieweit Cyberschäden in klassischen Policen mitabgedeckt sind), Kriegsklausel (Cyberangriffe als Teil kriegerischer Handlungen), Cloudcomputing und strafrechtliche Relevanz von Lösegeldzahlungen.

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