Wie investiert man in die „Gewinner der Digitalisierung“?

Investmentfonds Investment-Talk von JAN F. WAGNER

Der frühere DWS-Direktor Baki Irmak will mit seinem neuen Fonds von der zunehmenden Digitalisierung profitieren. Welche Rollen dabei Disney und Facebook spielen und warum es bisher nur zwei DAX-Unternehmen ins Portfolio geschafft haben.

Mit seinem Digital Leaders Fund will Baki Irmak in die Gewinner der Digitalisierung investieren.

Mit seinem Digital Leaders Fund will Baki Irmak in die Gewinner der Digitalisierung investieren. Bild: Wagner

procontra: Herr Irmak, warum empfiehlt sich jetzt ein Investment in der Technologiebranche?  

Baki Irmak: In den letzten Jahren ist der Anleger mit Technologiewerten sehr gut gefahren, während andere Sektoren wie zum Beispiel Banken oder Einzelhändler sich desaströs entwickelt haben. Dies liegt auch daran, dass viele Unternehmen von der Digitalisierung überrollt werden und die Produktivitätssteigerung nur noch in ganz wenigen Branchen wie Technologie stattfindet.  

Nehmen wir Facebook als Beispiel. Facebook hätte doch gar keine Chance, wenn seine Mitarbeiter versuchen würden, die „Fake News“ bei 2,5 Milliarden Nutzern zu entfernen. Stattdessen werden heute 97 Prozent dieses problematischen Inhalts mit Hilfe von maschinellem Lernen erkannt und gelöscht. Somit wird das Vertrauen der Facebook-Nutzer aufrechterhalten. Ein weiteres Beispiel ist der Einsatz von künstlicher Intelligenz bei Google und Microsoft, die dafür sorgt, dass SPAM automatisch in den E-Mail-Produkten erkannt wird. Diese Unternehmen verstehen eben, wie man Technik bestens einsetzt. 

procontra: Gibt es weitere Besonderheiten von Technologiefirmen und wie sichert man sich gegen mögliche Risiken ab?  

Irmak: Man muss sehr genau hinschauen, was eigentlich unter Technologie zu verstehen ist. Folgt man den US-Indexanbietern MSCI und S&P, so gehören Facebook, Twitter und Alphabet nicht mehr dem Sektor Technologie an, sondern sind Kommunikationsdienste. Amazon gehört zu den zyklischen Konsumgütern. Der Technologiesektor ist damit noch anfälliger geworden für gesamtwirtschaftliche Entwicklungen und abhängiger von Investitionsausgaben von Unternehmen. Die beste Absicherung ist eine gute Werteauswahl und eine vernünftige Diversifikation.  

procontra: Genau das machen Sie mit Ihrem Technologiefonds?  

Irmak: Der „Digital Leaders Fund“ (DLF) ist zunächst mal kein „reiner“ Technologiefonds. Wir investieren zwar in Technologieunternehmen, aber beim DLF geht es um das umfassendere Thema – nämlich die Digitalisierung. Heute müssen sich etablierte Unternehmen die Frage stellen, wie schaffe ich es, mein Geschäftsmodell anzupassen? Wir wollen in Unternehmen investieren, denen diese Anpassung gelungen ist. Die „Gewinner der Digitalisierung“ sozusagen. Für viele Privatkunden ist die Digitalisierung übrigens ein komplexes und angsterregendes Thema. Wenn sie im Einzelhandel tätig sind, bangen sie um ihren Arbeitsplatz, da zunehmend online eingekauft wird. Wir sagen ihnen: Wenigstens auf der finanziellen Seite können Sie sich mit dem DLF gegen den Trend absichern.  

procontra: In welche Gewinner investieren Sie denn?  

Irmak: Wir haben drei Gruppen von Gewinnern ausgemacht: „Digital Transformation Leaders“, „Digital Business Leaders“ und „Digital Enablers.“ Bei der ersten Gruppe handelt es sich um etablierte Unternehmen, die konsequent die Digitalisierung angehen, oder in der Vergangenheit etwas produziert haben, das in der heutigen Zeit sehr viel Wert ist. Die immense Film-Bibliothek der Unterhaltungsfirma Disney ist ein Beispiel. Disney ist auch dabei, diese sehr wertvolle Bibliothek digital zu vertreiben – über die eigenen Online-Streaming-Plattformen. Zugleich rechtfertigt das Unternehmen mit den analogen Angeboten wie Parks heute die aktuelle Bewertung.  

Die zweite Gruppe der Gewinner sind Plattform-Unternehmen wie Facebook aber auch Bezahldienstleister wie PayPal oder Trade Desk, eine amerikanische Online-Werbeplattform. Unternehmen, die die Technologie für die Digitalisierung zur Verfügung stellen, gehören zu der dritten Gruppe. Beispiele hierfür sind MongoDB, ein Anbieter für relationale Datenbanklösungen, sowie Nutanix, ein Anbieter von Software für den Betrieb von Rechenzentren.  

Im weiteren Verlauf des Interviews spricht Irmak über die Digitalisierungsprobleme deutscher Firmen, Risiken für Anleger und die Chancen des Fonds-Verkaufs über das Internet. Die vollständige Version lesen Sie in der aktuellen Print-Ausgabe der procontra.

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